
Luftwaffe in Königsbrück Im "Pilotenkarussell" der Bundeswehr: "Als würde ein Elefant auf der Brust sitzen"
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02. April 2025, 06:00 Uhr
In Königsbrück bei Dresden liegt der einzige Luftwaffenstandort Sachsens. Seit 1961 ist dieser Heimat der militärischen Luft- und Raumfahrtmedizin. Die Bundeswehr bildet dort Kampfpiloten aus, in einem der drei modernsten Zentren europaweit. Die Anlage steht unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen. MDR SACHSEN mit einem Einblick in die Zentrifuge für Piloten und andere Test-Anlagen.
- Wer die Tests besteht, darf einen richtigen Kampfjet fliegen.
- Das Institut in Königsbrück hat eine lange Tradition.
- Piloten aus ganz Europa trainieren dort.
Die Männer und Frauen kämpfen beim Schleudergang in der Zentrifuge mit der Atmung, in der Druckluftkammer bei extremen Sauerstoffmangel gegen Halluzinationen und Kontrollverlust und im Desorientierungssimulator um den Durchblick - alles für ihren Job als Pilotin und Pilot bei der Bundeswehr. Nur wer diese Tests besteht, darf mit dem richtigen Kampfjet in die Luft gehen.
Institut in Königsbrück zu DDR-Zeiten gegründet
Durchgeführt werden die Tests im Flugmedizinischen Institut der Luftwaffe in der Königsbrücker Heide, einem der modernsten Ausbildungs- und Trainingszentren für Luftwaffenpiloten weltweit. Das Institut wurde 1961 unter dem Kommando der NVA in der DDR gegründet.
"Siegmund Jähn, der erste Deutsche im All, hat alle seine medizinischen Test hier absolviert und so sind wir dann auf Grund der hochmodernen Anlagen, die wir hier haben – die Zentrifuge, die Unterdruckkammer - Anfang der 1990er-Jahre von der Bundeswehr übernommen worden", sagt Heiner G.* vom Flugmedizinischen Institut Königsbrück. (*Name geändert)
Siegmund Jähn, der erste Deutsche im All, hat alle seine medizinischen Test hier absolviert.
Gelände und Mitarbeiter unter strengem Schutz
Die Anlage steht unter schärfsten Sicherheitsvorkehrungen. Auch Mitarbeiter, Testpersonen und deren Familien unterliegen strengem Schutz, weshalb auch hier keine echten Namen verwendet werden und manche nicht erkennbar sein dürfen.
Wie auch ein junger Kampfjet-Pilot, der gerade seine Tests absolviert. Bevor es losgeht, muss er zum Vorabcheck beim Fliegerarzt.
"Wir haben hier eine erhöhte Herz-Kreislauf-Belastung während der Zentrifugenfahrten," erklärt der Fliegerarzt.
"Die G-Belastung wirkt dahingehend, dass das Blut nach unten in die Beine versackt. Das Herz-Kreislauf-System muss unterstützt werden mit Anzügen, mit bestimmten Maßnahmen wie Muskelanspannung, um das Blut in Richtung Kopf zu bringen. Das müssen wir natürlich vorher kontrollieren, ob das Herz-Kreislauf-System auch in Ordnung ist."
Die G-Belastung wirkt dahingehend, dass das Blut nach unten in die Beine versackt. Das Herz-Kreislauf-System muss unterstützt werden mit Anzügen, mit bestimmten Maßnahme wie Muskelanspannung, um das Blut in Richtung Kopf zu bringen.
In neunfacher Erdbeschleunigung im Pilotenkarusell
Der Pilot startet in der Zentrifuge. Hier wird der Druck auf den Körper simuliert, der bei den Starts und schnellen Wendemanövern auf das Neunfache des eigenen Körpergewichts steigen kann. Für den Kreislauf ist das eine enorme Belastung, bei der ein untrainierter Mensch das Bewusstsein verlieren würde. Fünfzehn Sekunden müssen die Teilnehmer durchhalten, um weiterhin Tornados oder Eurofighter fliegen zu dürfen.
Der Testpilot an diesem Tag hat es geschafft. "Das fühlt sich an, als würde ein Elefant auf der Brust sitzen. Aber da wir eine gute Ausrüstung haben, mit Druckbeatmung - die G-Hose und -Weste pusten sich auf mit Luft und kontrahieren damit die Gefäße - können wir mit der Atmung sicherstellen, dass das Blut soweit oben im Körper ist wie möglich - damit man bei Bewußtsein bleibt."
Piloten aus ganz Europa kommen nach Königsbrück
Dass die Piloten und Pilotinnen überhaupt so fit werden können, haben sie auch den Technikexperten zu verdanken und den Geräten der Superlative. Die Zentrifuge bringt es mit mehr als 7.000 PS auf 40 G und ist damit eines von drei Geräten in Europa, weshalb das Training in Königsbrück heiß begehrt ist.
"50 Prozent der Piloten kommen aber aus anderen Nationen, ganz viele Lehrgänge im englischsprachigen Bereich, also aus Griechenland, Italien, Spanien usw. Die Leute kommen hierher und trainieren hier, weil sie keine eigene Zentrifuge haben", sagt der verantwortlich Medizin-Ingenieur.
Alle vier Jahre muss sich in Europa jeder Luftwaffen-Pilot einem solchen Check unterziehen. Rund 2.000 von ihnen kommen dafür jedes Jahr nach Königsbrück.
MDR (Djamina Böl, kbe)
Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | MDR SACHSENSPIEGEL | 01. April 2025 | 19:00 Uhr