
MDRfragt Vorschlag für Handyverbot an Schulen kommt gut an
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02. April 2025, 03:00 Uhr
Handys aus auf dem Schulgelände? Das fände im aktuellen MDRfragt-Stimmungsbild ein Großteil der Befragten gut. Egal, ob jünger oder älter: Es gibt immer einen mehrheitlichen Zuspruch dafür, Handys in der Schule zu verbieten.
- Ein Handyverbot kommt auch bei Jüngeren mehrheitlich gut an.
- Kopfnoten für Ordnung, Fleiß und Co. halten die meisten für sinnvoll.
- Und wer soll Klassen wiederholen müssen? Bei dieser Frage ist das Meinungsbild gespalten.
Sollten Handys in der Schule erstmal grundsätzlich verboten sein, es sei denn, Lehrkräfte brauchen die Geräte für den Unterricht? Wenn es nach der MDRfragt-Gemeinschaft ginge, dann wären Handys in der Schule eher heute als morgen verboten.
Konkret gaben fast vier von fünf Befragten an, aus ihrer Sicht sollten Handys an der Schule nicht oder eher nicht benutzt werden dürfen. Damit gab es deutlich mehr Zuspruch für ein Handynutzungsverbot als für die Gegenposition, also Handynutzung grundsätzlich zu erlauben.
Damit ist sich die MDRfragt-Gemeinschaft schon mal deutlich einiger als die Bildungsminister der Länder, die sich bei einem Treffen Ende März zuletzt nicht auf eine einheitliche Linie einigen konnten. Das zeigt sich auch im MDR-Sendegebiet: Sachsen und Sachsen-Anhalt wollen es den Schulen überlassen, ob und wie sie die Handynutzung einschränken, die neue Thüringer Landesregierung hat sich im Koalitionsvertrag ein Handynutzungsverbot an Grundschulen vorgenommen.
Zuspruch zu Handyverbot überwiegt in allen Altersgruppen
In der MDRfragt-Gemeinschaft trifft das Handynutzungsverbot auch bei jenen auf Zustimmung, die gerade erst aus der Schule raus sind oder deren Schulzeit noch vergleichsweise kurz zurückliegt: Bei den Unter-30-Jährigen gibt es zwar einen deutlich größeren Anteil von Befragten, die ein generelles Handyverbot falsch finden. Doch immer noch mehr als die Hälfte (57 Prozent) findet es richtig, wenn die Mobiltelefone im Schulgebäude ausgeschaltet bleiben müssen.
Je älter die Befragten sind, desto größer wird der Zuspruch: Bei den Über-65-Jährigen sind schon rund neun von zehn Befragten für ein Handynutzungsverbot an der Schule.
Während Thüringen ein Handyverbot an Grundschulen erwägt, will Hessen ab dem kommenden Schuljahr die Nutzung von Mobiltelefonen grundsätzlich untersagen – nur weiterführende Schulen dürfen lockerere Regeln festlegen.
In dieser Frage ist die MDRfragt-Gemeinschaft näher bei der hessischen Landesregierung als bei der Thüringer Brombeer-Koalition: Unter den rund 19.300 Befragten aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen gaben die meisten (41 Prozent) an, es sollte in allen Klassenstufen abseits von Ausnahmen verboten sein, das Handy zu benutzen. Weniger als halb so viele (15 Prozent) waren dafür, das Handyverbot auf die Grundschule zu beschränken. Details zu diesem und allen anderen Ergebnissen können Sie im ausführlichen Ergebnis-Report zum Thema nachlesen.
Hinweis
An dem aktuellen Stimmungsbild von MDRfragt haben sich rund 19.300 Menschen aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen beteiligt. Das Meinungsbarometer ist nicht repräsentativ, aber aussagekräftig für die Stimmungen im MDR-Sendegebiet. Zudem erlauben die Begründungen und Kommentare der Befragten, die Stimmungstendenzen einzuordnen.
Alles zur Methodik, den Mitmachmöglichkeiten und den Ergebnissen gibt es am Ende dieses Artikels.
Doch warum genau sind MDRfragt-Mitglieder dafür, dass Handys an der Schule nicht benutzt werden dürfen? Oder warum sind sie dafür, dass Handys gerade auch im Klassenzimmer erlaubt sein sollten?
Dafür gibt es ganz unterschiedliche Beweggründe. Beispiel Jasmin (26) aus Leipzig. Sie schreibt: "Grundsätzlich bin ich für ein Verbot, um Ablenkung oder das Erstellen heimlicher Bild- und Tonaufnahmen von Mitschülerinnen und Lehr-Personal zu vermeiden."
Die gleichaltrige Isabelle aus dem thüringischen Saale-Holzland-Kreis hat andere Argumente: "Um die Konzentration auf den Schulstoff zu lenken. Die Jugendlichen werden es schon ein paar Stunden ohne Handy überleben. Ich finde es erschreckend, wie abhängig die Menschen vom Mobiltelefon sind."
Und Laura (25) aus dem Landkreis Harz, die selbst an einer Schule arbeitet, schreibt dazu: "Teilweise antworten mir nicht mehr Schüler, sondern die benutzte KI."
Doch vielen geht es nicht nur um die Konzentration im Unterricht, sondern auch um das ganze Drumherum. So schreibt Matthias (43) aus Anhalt-Bitterfeld: "Früher hat es ohne Handy sehr gut funktioniert. Die Pausen in der Schule sollen genutzt werden, um den Bewegungsdrang zu stillen und den Kopf freizubekommen und nicht, um mehr Input für das Gehirn zu bekommen."
Was spricht für Handys in der Schule?
Doch auch diejenigen, die dafür sind, Mobiltelefone in der Schule eher zu erlauben und nur in Ausnahmen zu verbieten, haben viele Argumente.
Da ist zum Beispiel Timo (18) aus Thüringen, der gerade erst mit der Schule fertig ist, aber beschlossen hat, später als Regelschullehrer an diesen Ort zurückzukehren. Er schreibt: "Ich halte Handys im Unterricht für sehr nützlich und würde deshalb nicht per se für ein Verbot stimmen. Handys ermöglichen es, den Unterricht digital zu gestalten, ohne dass der Staat viel tun muss dafür, da meist jeder ein eigenes Smartphone besitzt." Allerdings sieht auch Timo Schattenseiten. "Das größte Problem, was Handys jedoch mit sich bringen, ist, dass die soziale Komponente abnimmt, da man auf dem Schulhof viele Kinder sieht, welche nur in ihr Handy vertieft sind."
Am Ende plädiert Timo dann doch dafür, jüngeren Schülerinnen und Schülern das Handy vorzuenthalten: "Die Kinder sollten erstmal soziale Kontakte knüpfen und das nicht über Social Media oder ähnliches, sondern durch Gespräche und aktive Kommunikation", so der 18-Jährige.
Andere Befragte haben andere pragmatische Gründe: So meint Leonie (20) aus Erfurt: "Es kann Vieles erleichtern und ist auch Privatsache. Lieber soll sich jemand mit dem Handy selber ablenken, als dass er andere beim Lernen stört."
Und nicht nur Florian (34) aus dem Landkreis Börde findet ein Verbot nicht nur weltfremd, sondern auch unpraktikabel: "Digitale Endgeräte gehören nun mal zum Alltag. Was soll ein Verbot bringen und wer will das umsetzen? Mich würde die Anleitung des hessischen Bildungsministeriums interessieren, wie eine Lehrkraft die Handys von drei Halbwüchsigen einkassiert, ohne verbal oder tätlich angegangen zu werden."
Wenn es nach Michael (42) aus dem Landkreis Zwickau geht, der selbst Vater eines schulpflichtigen Kindes ist, dann gilt: "Es sollte kein Verbot von Handys an Schulen geben. Aber klare Regeln und von Beginn an Unterrichtsfächer zum Umgang mit Handy und Nutzung von Apps und deren Inhalten. Wir leben nun mal in einer digitalen Welt, also sollte man damit lernen umzugehen."
Ordnung muss sein – Kopfnoten auch?
Sachsen hat sie schon, Sachsen-Anhalt auch und in Thüringen sollen sie zurückkommen: die sogenannten Kopfnoten. Fächerübergreifende Einschätzungen, wie gut ein Kind oder ein Jugendlicher darin ist, Ordnung zu halten, im Unterricht mitzuarbeiten oder mit Fleiß aufzufallen. Während Kopfnoten bei wissenschaftlichen Analysen nicht immer gut abschneiden, findet die MDRfragt-Gemeinschaft sie überwiegend sinnvoll.
Nur eine kleine Gruppe (14 Prozent) der Befragten meint: Kopnfoten bringen nichts. Zu ihnen gehört Karl (25) aus Leipzig, der spöttisch kommentiert: "Ordnung. Etwas Deutscheres gibt es wohl nicht. Am besten bezieht sich dies noch auf das äußere Auftreten. Ein Chaot kann ein Genie sein und hat seine eigene 'Ordnung'. Im Ergebnis sind Kopfnoten überflüssig, teils gar schädlich."
Am häufigsten äußern Gegnerinnen und Gegner die Skepsis darüber, ob Kopfnoten objektiv sind und tatsächlich mehr über die Schülerinnen und Schüler – oder die bewertenden Lehrkräfte aussagen.
Devin (21) aus Erfurt kann sich noch an seine Schulzeit erinnern, bevor die Kopfnoten abgeschafft wurden, die jetzt wieder eingeführt werden sollen. Er schreibt: "Meine Klassenkameraden und ich hatten beim Vergleichen dieser Noten oft das Gefühl, dass die ausgewürfelt oder nach Sympathie vergeben wurden. Selbstverständlich haben die auch nie jemanden motiviert."
Und Robert (34), selbst Vater schulpflichtiger Kinder, zweifelt am Gedanken hinter den Kopfnoten: "Warum soll ein Schüler eine schlechte Mitarbeitsnote bekommen, weil er sich aufgrund Schüchternheit nicht traut, sich zu melden und vor der Klasse zu sprechen? Warum soll ein Schüler dafür, dass er seinen Hefter dreimal abschreibt, eine gute Ordnungsnote bekommen?"
Was spricht für Kopfnoten?
Doch es gibt auch einige Fans der Kopfnoten in der MDRfragt-Gemeinschaft. Immer wieder kommt das Argument, dass Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber von den Einschätzungen sozialer Kompetenzen aus Schulzeiten profitieren. So schildert etwa MDRfragt-Mitglied Sina (31) aus dem Landkreis Leipzig, dass sie selbst in ihrem Job davon profitiert: "Kopfnoten mit Betragen, Fleiß, Mitarbeit und Ordnung geben Aufschluss über die Persönlichkeit. Ich achte zum Beispiel bei der Auswahl der Azubis in unserer Firma eher auf Kopfnoten als auf Fachnoten. Das hat sich bisher auch gut bewährt."
Auch ein 43 Jahre alter Lehrer aus Leipzig sieht das so: "Ist sinnvoll, da das Leben nicht nur aus dem Auswendiglernen in den Fächern besteht, sondern auch aus den, auf Neudeutsch, Softskills genannten Dingen. Was nützt mir als Arbeitgeber ein Mitarbeiter, der fachlich gut, aber ein sozialer Fehlgriff ist?"
Lukas (23) aus Halle findet, Kopfnoten bewerten wichtige Tugenden, die auch gesellschaftlich wichtig sind. "Aus diesem Grund sollten auch sie in der Schule entsprechend beurteilt werden beziehungsweise sollten diese Kompetenzen wieder den Status von erstrebenswerten Grundhaltungen erhalten."
Programm-Tipp:
Ist die Rückkehr der Kopfnoten in Thüringen erstrebenswert oder nicht? Wie wichtig sind strengere Regeln bei Notenvergabe, Sitzenbleiben und Handynutzung?
Um diese und ähnliche Fragen zur Schulpolitik in Thüringen dreht sich am Mittwochabend auch FAKT IST! aus Erfurt.
Die Talk-Gäste und zahlreiche MDRfragt-Mitglieder im Publikum diskutieren dabei unter anderem die Pläne für eine neue Schulordnung, die insbesondere Änderungen beim Sitzenbleiben und bei Kopfnoten vorsieht.
Die Sendung läuft ab 20:15 Uhr im Livestream auf mdr.de, wo Sie im Chat auch mitdiskutieren können.
Und einige Befragte sind zwar für Kopfnoten, streiten aber nicht ab, dass damit auch Probleme verbunden sind. So meint Kathleen (34) , die selbst Mutter ist, und in Chemnitz wohnt: "Die Kinder dürfen ruhig wissen, dass auch auf ihr Verhalten geschaut wird. In der 2. Klasse meiner Tochter gab es allerdings auch Vieren und Fünfen in den Kopfnoten auf dem Zeugnis. Und dann? Was passiert da? Nichts!"
Moritz (29) aus Halle meint: "Man kann auch verbal einschätzen, ob jemand verlässlich sein Material mitbringt, pünktlich ist, mit anderen gut zusammenarbeitet. Das sind Dinge, die ausgewiesen werden sollten. Durch Zahlen wird gar nicht ersichtlich, worin genau das Kind 'gut' ist und worin es den Ansprüchen nicht genügt." Und für Nicole (43), selbst Lehrerin aus dem Landkreis Meißen, gilt: "Geht es um 'Noten' oder die Bewertung? Fleiß et cetera in die Beurteilung einzubeziehen, ist definitiv sinnvoll, aber nicht mit Noten."
Uneinigkeit bei der Frage, wer über Sitzenbleiber entscheidet
Eine Frage, bei der sich die Geister in der MDRfragt-Gemeinschaft scheiden, ist die nach den Regeln für die Wiederholung von Klassenstufen. Sollte das automatisch nach einheitlich festgelegten Kriterien geschehen, wie die eine Hälfte der Befragten es bevorzugt? Oder sollten Eltern und Lehrkräfte doch im Einzelfall abwägen, wie es die andere Hälfte der Befragten für sinnvoller hält?
Für einen Automatismus à la "Schlechte Noten heißt Ehrenrunde" ist zum Beispiel Henri (26) aus Leipzig. Er schreibt dazu: "Um sitzen zu bleiben, muss schon viel schiefgehen. Wer nicht diszipliniert genug ist, muss eben die Konsequenzen spüren. Die Möglichkeit auf den Lehrer einzuwirken, um eine Versetzung zu erzielen, würde den Lehrerberuf noch unattraktiver machen."
Eva-Maria (42) aus dem Wartburgkreis fasst ihre Erfahrungen so zusammen: "Alle 'Sitzenbleiber', die ich kannte (und wir hatten damals schon einige), haben sich im Nachholjahr signifikant verbessert."
Für Abwägungen im Einzelfall plädiert hingegen unter anderem Jan (42) aus dem Salzlandkreis. Der Vater schulpflichtiger Kinder verweist auf den Personalmangel an vielen Schulen und argumentiert: "Stoff nicht vermittelt bekommen, aber Gründe nicht berücksichtigen. So läuft es."
In eine ähnliche Richtung geht die Meinung von Tom (34) aus Dresden, der auch Vater eines Schulkindes ist: "Statt Sitzenbleiben sollte das Ziel sein: gezielte Förderung des Einzelnen. Dafür fehlt derzeit das sonderpädagogische Personal."
Immer wieder argumentieren Befragte dafür, dass abgewogen werden müsse, was für das betroffene Kind besser sei: Den Druck rauszunehmen und mit der Wiederholung des Schuljahres Zeit zum Lernen zu geben – oder das Kind in seinem gewohnten sozialen Umfeld zu lassen. Für solche Überlegungen plädiert auch Cathleen (22) aus dem Landkreis Saalfeld-Rudolstadt. Ihr Fazit: "Außerdem bin ich dafür, dass es weniger stigmatisiert sein sollte, eine Klasse zu wiederholen. Schließlich entwickelt sich jeder unterschiedlich schnell…"
Über diese Befragung
Die Befragung: "Handys verbieten, Noten erzwingen: Wie soll Schule sein?" lief vom 21. bis 24. März 2025. Insgesamt haben 19.300 Menschen aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen mitgemacht.
Bei MDRfragt können sich alle anmelden und beteiligen, die mindestens 16 Jahre alt sind und in Sachsen, Sachsen-Anhalt oder Thüringen wohnen, denn: Wir wollen die Vielfalt der Argumente kennenlernen und abbilden. Die Kommentare der Befragten erlauben, die Gründe für die jeweiligen Positionen und das Meinungsspektrum sichtbar zu machen.
Da sich jede und jeder beteiligen kann, der möchte, sind die Ergebnisse von MDRfragt nicht repräsentativ. Die Ergebnisse von MDRfragt werden nach bewährten wissenschaftlichen Kriterien und Methoden anhand verschiedener soziodemografischer Merkmale wie Alter, Geschlecht oder Bildungsgrad gewichtet, um sie an die tatsächliche Verteilung in der mitteldeutschen Bevölkerung anzupassen.
Damit wird die Aussagekraft der Ergebnisse erhöht und es ergibt sich ein valides und einordnendes Stimmungsbild aus Mitteldeutschland. MDRfragt wird zudem wissenschaftlich beraten und begleitet, beispielsweise durch regelmäßige Validitätstests.
Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | FAKT IST! aus Erfurt | 02. April 2025 | 20:15 Uhr