Eine Frau in barocker Kleidung spricht und hält sich währenddessen an zwei Seilen fest, die zu einer Schaukel zusammengebunden sind, neben ihr steht ein Mann in barocker Kleidung und hört ihr zu.
In Dresden und in der Lausitz gibt es im April 2025 viele Highlights im Theater zu erleben – wie "Der Geizige in Zittau", Bildrechte: Pawel Sosnowski

Empfehlungen Sechs besondere Theateraufführungen im April 2025 in Dresden und der Lausitz

03. April 2025, 16:58 Uhr

Im April 2025 warten beeindruckende Theatererlebnisse auf Sie: In Dresden findet wieder die Lange Nacht der Theater statt: Mehr Bühnen als je zuvor geben einen Einblick in ihr Programm. In Radebeul beweist das Tanzensemble, wie verbunden sie untereinander sind. In Bautzen wird eine mittelalterliche Geschichte erzählt. In Zittau passt eine klassische Komödie überraschend gut auf aktuelle Sparzwänge. Entdecken Sie unsere stets aktualellen Theatertipps – mit allen Terminen und Adressen!

11. Lange Nacht der Dresdner Theater

Von Nachmittag bis Mitternacht beweist Dresden, dass die Stadt auch eine Theatermetropole ist. Dabei zeigen so ziemlich alle Bühnen der Stadt, was ihr Programm ausmacht: Zum ersten Mal dabei ist das Carte Blanche Theater für Travestiekunst. Nach einer Pause präsentiert auch die Semperoper wieder Highlights aus dem Programm ebenso wie das Boulevardtheater. Im Societätstheater gibt es malerischen Tanz und kurze akrobatische Geschichten. Auch im Projekttheater werden Tanz und bildende Kunst verknüpft und es gibt Lieder von Georg Kreisler. Die Opernklasse der Musikhochschule zeigt eine frühe Fassung von Udo Zimmermanns "Die weiße Rose".

Das Schauspielhaus Dresden vom Zwinger aus fotografiert. Aufnahme im Frühjahr 2014. Auf dem Dach des Schauspielhauses hängen gelbe Fahnen. Zwei lange gelbe Fahnen mit Beschriftung schmücken auch die Vorderseite des Theatergebäudes.
Das Dresdner Staatsschauspiel organisiert die Lange Nacht der Dresdner Theater. Bildrechte: MDR/Nadine Jejkal

Weitere Informationen Die 11. Lange Nacht der Dresdner Theater findet am 26. April, ab 16 Uhr an verschiedenen Orten der Stadt statt.
Das vollständige Programm wird am 3. April veröffentlicht.
Die Eintrittsbändchen werden ab dem 4. April verkauft.

Schauspiel in Zittau: "Der Geizige" von Molière

In ganz Deutschland gehen Kultur- und Theaterschaffende auf die Straße, um gegen Sparpolitik und Etatkürzungen zu demonstrieren. Am Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau wurde das gleich zum inhaltlichen Schwerpunkt der aktuellen Spielzeit. Mit einem starken Coup wollte das Leitungsteam den Namen verkaufen und in Zukunft beispielsweise Coca-Cola-Theater heißen. Das hat für Entrüstung gesorgt und nachdem das nun gescheitert ist, wies Intendant Daniel Morgenroth gleich darauf hin, dass das wohl keine Alternative zur staatlichen Förderung ist. Was deren Wegfall bedeuten würde, verhandelt Schauspieldirektor Ingo Pütz in seiner Inszenierung des französischen Klassikers "Der Geizige" von Molière: Harpagon denkt nur an Geld und daran, seine Kinder in Ehen zu zwingen, die keine Liebe, sondern nur mehr Reichtum versprechen. Sein Vermögen vergräbt der Geizhals auch lieber, als es seinen Kindern zu gönnen. MDR KULTUR-Theaterredakteur Stefan Petraschewsky ist begeistert, wie gut die Geschichte als Parabel zur aktuellen Situation passt: Unter Sparzwang soll da eine Musikerin ein ganzes Quartett ersetzen – und scheitert. Die Bühne besteht nur aus Seilen und einem zu kleinen Stück Kunstrasen, die Kostüme wirken wie traurige Überreste aus besseren Zeiten. Harpagon wird zur Metapher für den sparenden Staat. "Die Schauspielerinnen und Schauspieler zeigen eine gute Ensemble-Leistung. Die Regie ist schlüssig und setzt auf einen derben Volkstheaterstil im Geiste der Commedia dell'arte. Taschentücher voller Rotz – pardon – sind quasi im Dauereinsatz. Das ist eklig-schön", urteilt Stefan Petraschewsky.

Weitere Informationen "Der Geizige" von Molière

Adresse:
Theater Zittau
Theaterring 12
02763 Zittau

Termine:
10. April, 19:30 Uhr

Figuren in Bautzen: "Die Jüdin von Toledo" im Deutsch-Sorbischen Volkstheater

Die Ballade "Die Jüdin von Toledo" von Lion Feuchtwanger bleibt aus ähnlichen Gründen relevant wie der Dauer-Klassiker "Nathan der Weise": Die Geschichte wirbt für Toleranz zwischen Menschen und Religionen. Dabei beleuchtet Feuchtwanger auch, wie Macht funktioniert, denn die junge Frau Raquel gerät im 12. Jahrhundert zwischen die politischen Machenschaften zwischen muslimischen und christlichen Fundamentalisten in Spanien. Die Dresdner Gruppe Cie. Freaks und Fremde bringt die Geschichte mit Marionetten auf die Bühne. Doch sie verlassen sich nicht ausschließlich auf die feinen Gliederpuppen, sondern arbeiten auch mit Schauspiel, Musik, Licht und Video. "Neben diesem Mix werden wie gewohnt alle Sinne strapaziert – Lichtregie, Video- und Musikeinsatz, teils auch choreographische Eleganz sind wie üblich im Einklang mit ungewohnten Theatermitteln: hier der Einsatz von großen Schulkarten, einer Art manueller Drehbühne und einem Röhrenradio plus Schreibstubenutensilien aus der Zeit der Romanentstehung vor zwei Generationen. Dazu singt Sabine Köhler solo vorzüglich wie schleppend eine Neuversion von Britney Spears‘ 'Toxic'", schreibt der Kritiker Andreas Hermann im Portal "Fidena". Im April ist die Inszenierung im Rahmen der Puppentheaterreihe für Erwachsene "Puppen, Wein und Kerzenschein" zu Gast in Bautzen.

Blick auf eine mediterrane Bühne, auf der mehrere Menschen Marionetten bewegen.
Das Puppentheaterstück "DIe Jüdin von Toledo" nutzt fast alle Theatermittel, die man sich vorstellen kann. Bildrechte: André Wirsig

Weitere Informationen "Die Jüdin von Toledo" nach dem Roman von Lion Feuchtwanger

Adresse:
Deutsch-Sorbisches Volkstheater Bautzen
Seminarstraße 12
02625 Bautzen

Termine:
4. April, 19:30 Uhr

Performance in Dresden: "Peer Gynt" an der Bürgerbühne

Vielleicht wusste Peer einfach nicht mehr, wohin er in seinem Leben wollte, und schlug deswegen vollkommen über die Stränge. Er lässt seine Mutter ohne Ausweg auf dem Dach zurück und entführt eine Braut von ihrer Hochzeit. Vor dem Zorn der Dorfgemeinschaft flieht er, gerät mit mythischen Kräften in Konflikt und wird schließlich unglücklich reich. Unglücklich, weil er sich auf seiner Reise trotzdem nicht selbst finden konnte. Im Zeitalter des Internets ist das vielleicht noch schlimmer, wo uns der Erfolg oder angeblich unbedingt Erstrebenswertes permanent vor Augen geführt wird. An der Bürgerbühne in Dresden wurde das Drama von Henrik Ibsen mit diesem Gedanken und mit zehn jungen Menschen neu interpretiert. Die Jugendlichen streiten sich um die Hauptrolle, finden verschiedene Aspekte des "nordischen Fausts", singen hinreißend Lieder und gehen dabei immer der Frage nach "Wer bin ich?" nach. Kritiker Torsten Klaus zeigte sich in den "Dresdner Neuesten Nachrichten" überzeugt von der Sinnsuche. 

Menschen in farbigen Kostümen stehen in einem Halbkreis auf einer Bühne mit spiegelnder Rückwand.
"Peer Gynt" an der Bürgerbühne fragt nach dem Ruhmwillen in Zeiten der Sozialen Medien. Bildrechte: Sebastian Hoppe

Weitere Informationen "Peer Gynt"
nach Henrik Ibsen
in einer Fassung von Joanna Praml und Dorle Trachternach

Adresse:
Kleines Haus
Glacisstraße 28
01099 Dresden

Dauer: 120 Minuten, keine Pause

Termine:
30. April, 19:30 Uhr

Tanztheater in Radebeul: "Im Puls" an den Landesbühnen Sachsen

Natalie Wagner, Choreografin und Chefin des Tanz-Ensembles in Radebeul, legt viel Wert auf die Arbeit und den Zusammenhalt in der Gruppe. Viele Arbeiten an den Landesbühnen entstehen explizit in Zusammenarbeit mit den Tänzerinnen und Tänzern. Auch das Stück "Im Puls" ist von diesem Geist getragen: Das Ensemble bewegt sich wie innig verbunden: eine amorphe Masse oder ein Fischschwarm. Es braucht Geduld, Ruhe und einen genauen Blick, um die Impulse in der Menge zu erkennen und den Puls, den Rhythmus zu spüren. Kritiker Rico Stehfest ist auf der Plattform "tanznetz" begeistert, wie gut das junge Ensemble miteinander harmoniert.

Weitere Informationen "Im Puls"
Tanzabend von Natalie Wagner in Zusammenarbeit mit dem Ensemble

Adresse:
Landesbühnen Sachsen
Meißner Straße 152
01445 Radebeul

Dauer: 60 Minuten, keine Pause

Termine:
25. April, 19:30 Uhr

Musiktheater in Dresden: "Innocence" an der Semperoper

Der Titel dieser modernen Oper bringt die wichtige Frage gleich auf den Punkt: "Innocence" bedeutet Unschuld und tatsächlich geht es im Stück der finnischen Komponistin Kaija Saariaho und der Autorin Sofi Oksanen um die Schuldfrage. Auf einer Hochzeit werden alte Wunden aufgerissen, als die gerade eingesprungene Kellnerin im Bräutigam den Bruder des Amokläufers erkennt, der vor Jahren in der Schule ihre Tochter getötet hat. Von da an entfaltet sich ein Krimi, in dem die Gewissheiten immer weiter bröckeln: Wer hat den Attentäter überhaupt so weit getrieben und gehen die Überlebenden angemessen mit der Erinnerung um? Das Inszenierungsteam um Lorenz Fioroni bedient das Krimi-Setting nicht mit Realismus, stattdessen wirkt alles mythisch und entrückt – und es funktioniert wunderbar. Das liegt zum einen an einem großartig spielenden Ensemble und zum anderen an der Sächsischen Staatskapelle, die die moderne und vielschichtige Musik meistert, obwohl dieser Stil eigentlich nicht zum Kerngeschäft des Orchesters gehört. Kritiker Christian Schmidt meint in "Concerti", dass diese Produktion das Highlight der Saison am Dresdner Opernhaus sei.

Weitere Informationen "Innocence" von Kaija Saariaho und Sofi Oksanen

Adresse:
Semperoper
Theaterplatz 2
01067 Dresden

Termine:
4. April, 19 Uhr
11. April, 20 Uhr

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 20. Januar 2025 | 10:15 Uhr

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