Nahaufnahme eines Paares, das sich innig küsst.
Erotische Literatur taucht tief ein in menschliches Begehren. Stanley Kubricks Film "Eyes Wide Shut" mit Nicole Kidman und Tom Cruise ist die Adaption von Arthur Schnitzlers "Traumnovelle". Bildrechte: imago/United Archives

300. Geburtstag von Casanova Verführerisch: Zehn lesenswerte erotische Bücher

02. April 2025, 16:39 Uhr

Giacomo Casanova ist der Inbegriff der Verführungskunst. Der gelehrte Abenteurer wurde am 2. April 1725 geboren und wurde vor allem dafür berühmt, dass er durch Europa reiste und Frauen verführte. Vielen dieser Liebschaften setzte er ein literarisches Denkmal. Eine neue Doku zeigt Casanova auch von einer anderen Seite: Er agierte als Geistlicher, Jurist, Soldat und Finanzberater und traf namhafte Persönlichkeiten wie Jean-Jacques Rousseau oder Katharina die Große. Zu Casanovas 300. Geburtstag stellen wir weitere bedeutende Werke der erotischen Literatur vor, die es zu lesen lohnt.

"Ars amatoria" von Ovid

Ovid ist einer der wichtigsten Dichter der römischen Antike. Seine "Metamorphosen" haben den Blick auf die Mythen maßgeblich geprägt und zahlreiche Kunstschaffende beeinflusst. In seinem mehrteiligen Lehrgedicht "Die Kunst zu lieben" zeigt er das frivole Leben in Rom. In elegischen Versen erklärt er, wie Männer Frauen kennenlernen, behandeln und verführen sollten – oder Frauen Männer. Es sind dezente Zeichen der Verführung im Alltag, die Ovid – der die Ehe nicht besonders hoch schätzte – beschreibt, aber auch sinnliche Begegnungen, die der Dichter mit poetischen Worten umschreibt. Dem tugendhaften Kaiser Augustus, der damals an die Macht kam, ging das übrigens alles zu weit und er verbannte Ovid.

Eine farbige Zeichnung eines Mannes im Profil mit einem güldenen Kranz auf dem blonden Haar.
Der Dichter Ovid glaubte nicht an die Ehe und liebte Ausschweifungen. Bildrechte: IMAGO / H. Tschanz-Hofmann

Informationen zum Buch (zum Ausklappen)

"Ars amatoria" von Ovid
zweisprachig, übersetzt und herausgegeben von Michael von Albrecht
Reclam
232 Seiten
ISBN: 978-3-150-00357-2

Sinnliche Erzählungen aus "1001 Nacht"

Die meisten Menschen kennen "1001 Nacht" eher als Märchensammlung. Das liegt auch daran, dass frühere Übersetzungen gleichzeitig auch wie eine Zensur wirkten und viele gewagte Stellen entschärften. Dabei legt schon die Rahmenhandlung nahe, dass es auch erotische Erzählungen gibt – immerhin versucht die schöne Scheherazade mit Bettgeschichten, den Mord durch den König hinauszuzögern. Sie erzählt immer wieder von Sklavinnen, die sich ihren Eigentümern zwar hingeben, an deren Seite aber immer über sich hinauswachsen, von verhinderten Liebespaaren, die doch zusammenfinden, oder von Ehemännern, die mit der Treue kämpfen.

Eine Zeichnung aus feinen Strichen: Mehrere nackte Frauen gehen langsam in einen Badesee.
So stellte sich der Künstler Max Slevogt eine Szene aus "1001 Nacht" vor. Bildrechte: picture alliance / akg-images | akg-images

Informationen zum Buch (zum Ausklappen)

"Tausendundeine Nacht: Das Buch der Liebe"
Übersetzt von Claudia Ott
543 Seiten
ISBN: 978-3-406-79035-5

"Das Dekameron" von Giovanni Boccaccio

In der Corona-Zeit hat "Das Dekameron" von Giovanni Boccaccio neue Popularität erlangt – es gibt inzwischen sogar eine Netflix-Serie. Während die Pest in Florenz wütet, ziehen sich zehn junge Menschen auf ein Landhaus zurück, um sich nicht anzustecken. Um sich die Zeit zu vertreiben, erzählen sie sich Geschichten. Und es sind abwechslungsreiche Geschichten: mal tiefgründig, mal humorvoll und eben – sie sind noch jung – erotisch. Beispielsweise strandet eine Sultanstochter an einer Küste und lässt sich, um zu überleben, mit verschiedenen Männern ein. Andere Geschichten erzählen von Täuschungen und Verwechslungen in der Liebe.

Eine Frau in loser Kleidung sitzt auf dem Boden, ein Mann mit lockigen Haaren liegt vor ihr auf dem Bauch.
Der italienische Klassiker wurde sogar von Netflix verfilmt. Bildrechte: IMAGO / Landmark Media

Informationen zum Buch (zum Ausklappen)

"Das Dekameron" von Giovanni Boccaccio
Mit Illustrationen von Olaf Martens
Faber & Faber
320 Seiten
ISBN:‎ 978-3-867-30177-0

Chinesischer Klassiker "Kin Ping Meh"

Der Roman "Kin Ping Meh" gilt als einer der vier großen Romane der Ming-Zeit in China. Das Buch erzählt vom Luxusleben des Kaufmanns Hsi Men und dem Niedergang seines ganzen Hauses. Denn Hsi Men hat gleich sechs Frauen. Pan Jinlian oder Goldener Lotus versucht, die Oberhand im Haushalt zu gewinnen und tötet schließlich ihren Ehemann mit Hilfe eines Potenzmittels. Denn Hsi Men liebt Frauen und hat neben seinen Frauen noch mehrere Affären und besucht Prostituierte. Nach seinem Tod müssen sich die Frauen irgendwie durchschlagen, sie verkaufen sich selbst oder suchen sich neue Männer. All das – und darin besteht die große Qualität des Buches – wird sehr genau beschrieben. Eben weil so explizit, mit poetischer bis derber Sprache, von diesem zügellosen Lebensstil erzählt wird, wird der Roman oft als pornografisch eingeordnet, dabei kann das Werk als Sittenroman verstanden werden – ein langes Leben haben am Ende nur die Frauen, die sich für ein anderes Leben entscheiden.

Eine klassische chinesische Malerei: In eienr Gartenszene umarmt ein sitzender Mann auf einer Bank eine Frau von hinten.
Der Roman "Kin Ping Mei" ist auch ein Sittenporträt der Ming-Zeit in China. Bildrechte: IMAGO / CPA Media

Informationen zum Buch (zum Ausklappen)

"Kin Ping Meh oder Die abenteuerliche Geschichte von Hsi Men und seinen sechs Frauen"
Aus dem Chinesischen von Franz Kuhn
Insel Verlag
998 Seiten
ISBN: 978-3-458-68193-9

"Justine" von Marquis de Sade

Der Name dieses Schriftstellers ist zum Inbegriff von sexueller Gewalt geworden: Den Großteil seiner Texte schrieb der Marquis de Sade in Haftanstalten oder psychiatrischer Verwahrung. Seine Episoden über sexuelle Ausschweifungen voller Gewalt werden oft unterbrochen von philosophischen Ausführungen über die Kälte der Gesellschaft. Der Roman "Justine" gehört eher zu den unschuldigen Texten des Adligen: Nach dem Tod ihrer Mutter versucht Justine – anders als ihre Schwester Juliette, die zur Prostituierten wird – trotz der Armut auf dem Pfad der Tugend zu wandeln. Das wird vom Schicksal jedoch nicht belohnt: Sie wird ausgepeitscht oder als Sexsklavin gehalten. In gewisser Weise bereitete de Sade mit seinen Schriften heutigen Erfolgsgeschichten wie "Fifty Shades of Grey" den Weg.

Historische Grafik eines Mannes in Ketten, der auf einer Pritsche sitzt.
Für die Geschichten der Geschwister Justine und Juliette kam Marquis de Sade ins Gefängnis. Bildrechte: IMAGO / GRANGER Historical Picture Archive

Informationen zum Buch (zum Ausklappen)

"Justine" von Marquis de Sade
Aus dem Französischen von Raoul Haller
Insel Verlag
572 Seiten
ISBN: 978-3-458-36042-1

"Traumnovelle" von Arthur Schnitzler

Der Wiener Schriftsteller Arthur Schnitzler versuchte in seinen Texten, in die Seelen der Menschen zu schauen. Seine berühmte "Traumnovelle" beleuchtet die sexuellen Begierden eines Ehepaares: Nach einer Ballnacht werden die beiden von sinnlichen Träumen verfolgt, die sie sich erzählen. Der Mann Fridolin, ein 30-jähriger Arzt, taucht immer tiefer in diese Begierden ein: Er trifft eine junge Frau, die sich ihm hingeben will, eine Prostituierte, vor der er dann doch flieht, und einen Studienfreund, der ihm Zutritt zu einer geheimen und irgendwie noblen Orgie verschafft. All das passiert zwischen zwei Nächten, die die Ehe auf eine Probe stellen. Am Morgen werden beide Partner vom Lachen ihres Kindes geweckt. Stanley Kubricks Filmadaption "Eyes Wide Shut" gilt als ein Meisterwerk des sinnlichen Kinos.

Eine Mann und eine Frau hocken auf dem Bett, er umarmt sie von hinten.
Die "Traumnovelle" ist die Vorlage für den erotischen Filmklassiker "Eyes Wide Shut" mit Tom Cruise und Nicole Kidman. Bildrechte: IMAGO

Informationen zum Buch (zum Ausklappen)

"Traumnovelle" von Arthur Schnitzler
Anaconda Verlag
112 Seiten
ISBN: ‎978-3-730-61264-4

"Das Delta der Venus" von Anaïs Nin

Sie lebten das Leben der Bohème in New York: Der Schriftsteller Henry Miller und Anaïs Nin, die weit mehr als eine Muße war. Zu diesem Leben gehörte leider auch die Geldnot. Um sich über Wasser zu halten, schrieben sie für einen Auftraggeber erotische und pornografische Erzählungen. Nin mochte diese Art zu schreiben eigentlich, und vielleicht gelang es ihr gerade deswegen auf so bemerkenswerte Weise. Sie triumphierte in einem Feld, das zuvor nur Männern vorbehalten war. "Dies ist das schönste und direkteste Buch, das je von einer Frau geschrieben wurde. Was es zum doppelten Genuss macht, ist seine Sprache: delikat und geschmeidig, direkt und sinnlich", urteilte die New York Times. Der Band "Das Delta der Venus" versammelt diese Erzählungen über sinnliche Begegnungen.

Schwarz-Weiß-Bild einer Frau mit kurzen welligen Haaren und geschminkten Lippen.
Die Schriftstellerin Anaïs Nin hat in ihre erotischen Erzählungen satirische Elemente eingeflochten. Bildrechte: IMAGO / TT

Informationen zum Buch (zum Ausklappen)

"Das Delta der Venus" von Anaïs Nin
Aus dem Englischen von Eva Bornemann
Fischer Taschenbuch
336 Seiten
ISBN: 978-3-596-90553-9

"Blau ist eine warme Farbe" von Julia Maroh

Noch denkt Clémentine, dass sie heterosexuell ist. Dann lernt sie eine Frau mit blauen Haaren kennen und ist mehr und mehr fasziniert von Emma. Gemeinsam entdecken die beiden die unterschiedlichen Aspekte der lesbischen Lust. Diese zarte und poetische Geschichte in Julia Marohs Graphic Novel "Blau ist eine warme Farbe" wird von mehreren Konflikten begleitet: Während Emma offen zu ihrer Homosexualität steht, versucht Clémentine, diese Seite von sich zu verbergen, auch weil die beiden um sich herum Ablehnung und Homophobie erleben.

Gezeichnetes Buchcover: Blick von hinten auf eine Person mit freiem Oberkörper und blauen Haaren, auf dem Rücken steht "Blau ist eine warme Farbe".
Die Graphic Novel von Julie Maroh wurde auch verfilmt. Bildrechte: Splitter Verlag

Informationen zum Buch (zum Ausklappen)

"Blau ist eine warme Farbe" von Julia Maroh
Aus dem Französischem von Tanja Krämling
Splitter-Verlag
160 Seiten
ISBN:‎ 978-3-868-69695-0

"Twittering Birds Never Fly" von Kou Yoneda

Es gehört zu den beliebtesten Genres in der Manga-Community: Boys Love-Geschichten erzählen von schwuler Liebe. Dabei spielen sie oft mit den typischen Mustern von Liebesgeschichten und hinterfragen so aber auch die Rolle von Männern in der modernen Gesellschaft. Die Reihe "Twittering Birds Never Fly" von Kou Yoneda gehört zu den düsteren Varianten des Genres und spielt im Umfeld der Yakuza, der japanischen Mafia: Yashiro nutzt seine Position als Geldeintreiber aus, um sich Menschen gefügig zu machen. Gerade hat er einen neuen Leibwächter eingestellt: den ehemaligen Polizisten Chikara Dōmeki. Die Geschichte beleuchtet, wie die beiden Männer zueinander finden, beleuchtet deren seelische Abgründe und die Machtkämpfe zwischen den Männern der Unterwelt.

Eine Comic-Zeichnung: Ein Mann in Hemd und schwarzer Weste wird auf den Boden gedrückt, um einen Fuß zu küssen.
Die Figuren dieser Manga-Reihe müssen sich auch mit dem Bild des harten Mannes auseinandersetzen. Bildrechte: Manga Cult

Informationen zum Buch (zum Ausklappen)

"Twittering Birds Never Fly" von Kou Yoneda
Übersetzt von Verena Maser
Fortlaufende Serie
Manga Cult
Band 1
218 Seiten
ISBN:‎ 978-3-964-33315-5

Anthologie "Was mittwochs war, und freitags"

Der Band "Was mittwochs war, und freitags" versammelt mehrere Erzählungen afrikanischer Autor*innen und bietet so ein breites Panorama erotischen Schreibens. Die titelgebende Geschichte stammt zum Beispiel von Toni Kan, der zwei Erzählungsbände über intime Begegnungen veröffentlicht hat. Monica Arac de Nyeko schreibt einen sinnlichen Brief über eine Beziehung zwischen zwei Frauen. Wamuwi Mbao lässt tief in eine Affäre eintauchen. Und Alex Smith erzählt von einer absurden Orgie.

Buchcover "Was mittwochs war, und freitags: Mehrere Blumen und Blätter und ein paar Beine.
Der Erzählungsband ist im Leipziger Verlag Akono erschienen. Bildrechte: Akono Verlag

Informationen zum Buch (zum Ausklappen)

"Was mittwochs war, und freitags"
Afrikanische Geschichten über das Lieben und Begehren
Herausgegeben Jona Elisa Krützfeld und Thomas Brückner
Aus dem Englischen von Thomas Brückner
Akono Verlag
212 Seiten
ISBN: 975-3-949554-05-6

Mehr Buchtipps

Kultur

Buchcover von Sachbüchern zum Thema Ostdeutschland mit Audio
Diese fünf Bücher über Ostdeutschland sollte man gelesen haben: Christina Morina – "Tausend Aufbrüche", Annett Gröschner, Peggy Mädler, Wenke Seemann – "Drei ostdeutsche Frauen betrinken sich und gründen den idealen Staat", Steffen Mau – "Ungleich vereint. Warum der Osten anders bleibt", Ines Geipel – "Fabelland. Der Osten, der Westen, der Zorn und das Glück", Sascha-Ilko-Kowalczuk – "Freiheitsschock" Bildrechte: Collage: Siedler Verlag / Hanser Verlag / Suhrkamp Verlag / S. FISCHER / Verlag C. H. Beck

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 31. März 2025 | 14:10 Uhr

Mehr MDR KULTUR