Fußball | Regionalliga Ernst-Abbe-Sportfeld: Stadt verweigert FC Carl Zeiss Jena Sicherheitsstatut für Drittliga-Lizenz
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05. April 2025, 15:51 Uhr
Erneut ist ein Heimspiel des FC Carl Zeiss Jena im neuen Ernst-Abbe-Sportfeld von Krawallen überschattet worden. Diesmal hatten HFC-Chaoten Jena-Fans im Innenraum angegriffen. Das rückt einmal mehr die seit langem geführte Diskussion über die Fantrennung vor Ort in den Blickpunkt – mit konkreten Auswirkungen auf zukünftige Drittliga-Hoffnungen des FCC.
Die Atmosphäre auf den Rängen beim Prestigeduell des FC Carl Zeiss Jena gegen den Halleschen FC in der Regionalliga Nordost war hitzig – von Beginn an. Die Partie war als Risikospiel klassifiziert worden, trotzdem wurden die Sicherheitskräfte überrascht. In der Halbzeitpause hatten die Fans des Halleschen FC offenbar ein Zaunteil im Auswärtsblock abmontiert und versucht, den Jenaer Block zu stürmen.
Kampfszenen im Ernst-Abbe Sportfeld. Die Ordner sind machtlos. Erst der massive Polizeieinsatz beruhigte die Situation. Es verging eine Dreiviertelstunde, bis das Spiel fortgesetzt und dann auch störungsfrei zu Ende gebracht wurde. Doch es blieb ein bitterer Beigeschmack über den 2:0-Heimsieg des FC Carl Zeiss.
Wiederholte Krawalle im letzten Jahr
In punkto Stadion war das Verhältnis zwischen Polizei, Fanszene und Verein in Jena schon vor dem vergangenen Freitagabend mindestens beschädigt. Die Sicherheitsbehörden hatten gehofft, dass das neue Ernst-Abbe-Sportfeld zur Entlastung bei Risikospielen sorgen würde.
"Im Moment ist es so, dass es nicht so rund läuft, wie wir uns das wünschen würden. Wir haben nicht weniger Kräfte im Einsatz, als das vorher war. Würden uns aber wünschen, dass wir bald Kräfte sparen können", hatte Thomas Wehling, der Jenaer Polizeichef, zuletzt im Interview mit SPORT IM OSTEN gesagt. Tatsächlich ereigneten sich in der jüngeren Vergangenheit immer wieder Ausschreitungen wie etwa im Thüringenderby gegen Rot-Weiß Erfurt oder Ende November 2024, als Chemie Leipzig in Jena gastierte. Die Bilanz damals: Fast 80 Verletzte, darunter auch Ordner und Polizisten.
Krisentreffen beim Oberbürgermeister
Auch deshalb gab es am Freitagvormitag (4. April), also vor dem Spiel gegen Halle, ein Krisentreffen bei Oberbürgermeister Thomas Nitzsche. Nach SPORT IM OSTEN-Informationen verweigert die Stadt dem Verein derzeit eine "Konformitätserklärung" für die Stadionsicherheit im Ernst-Abbe-Sportfeld – diese Erklärung wird aber für eine Drittliga-Lizenz benötigt. Die Stadtverwaltung setzt allerdings auf Kooperation. "Es geht grundsätzlich darum, dass wir uns anschauen: Ist das Sicherheitskonzept für den Spielbetrieb, wie wir es jetzt wahrnehmen, geeignet – insbesondere auch für die Risikospiele. Es muss halt ausgeschlossen sein, dass zwei Fanlager aufeinandertreffen", betont Benjamin Koppe, Sicherheitsdezernent der Stadt.
Genau das ist in Jena schwierig: Denn im neuen Ernst-Abbe-Sportfeld stehen Heim- und Gästefans auf derselben Tribüne. Einmalig bei einem Stadionneubau in Deutschland. Geplant war es eigentlich anders – nämlich, dass die Ultras des FC Carl Zeiss aus der Südkurve in die Nordkurve ziehen. Jedoch hat sich die aktive Fanszene dagegen sträubt und häufig demonstriert. Am Ende durfte sie ihren Platz in der "Südkurve" behalten.
Widera: "Hoffen, dass es so bleiben kann"
Diese Entscheidung ist vor der Amtszeit des aktuellen FCC-Geschäftsführers Patrick Widera gefallen. Der 45-Jährige sagt: "Davor brauchen wir uns nicht verstecken oder drumherum zu reden – die räumliche Nähe ist eben anders zu behandeln, als wenn die beiden Fanlager 100 Meter voneinander entfernt stehen. Das ist bei uns nicht so. Und jetzt schauen wir, dass wir da eine Lösung hinbekommen, dass es so bleiben kann, wie es hier ist."
Was nach Meinung der Stadt natürlich nicht so bleiben kann, sind immer wiederkehrende Polizeieinsätze – erst recht nicht in einem für 58 Millionen Euro neugebauten Stadion. Wie eine Lösung aussehen kann, wird in Jena in den kommenden Wochen wohl intensiv diskutiert.
Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 05. April 2025 | 16:00 Uhr
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