
Trauerarbeit Neue Grabanlage für Sternenkinder in Saalfeld
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05. April 2025, 15:30 Uhr
"Sternenkinder" - ein Begriff für die ganz Kleinen, die schon im Mutterleib oder kurz nach der Geburt sterben. Für Eltern, Geschwister und Großeltern ein traumatisches Erlebnis. In Saalfeld können sie dem verstorbenen Nachwuchs an einem neu errichteteten, eigenen Grab gedenken.
Es ist still auf dem Saalfelder Friedhof. Trotz der etwa zwanzig Menschen, die sich am Abend im hinteren Teil zusammengefunden haben. Nur die Vögel zwitschern in der Abendsonne, dann stimmen zwei Musikerinnen mit Flöte und Akkordeon ein paar leise Töne an. Bürgermeister Steffen Kania, sonst nie um die passenden Worte verlegen, wie er selbst sagt, ringt sichtbar um Fassung.
In ein paar Minuten wird er das neue Grab für Sternenkinder einweihen, also Kinder die schon im Mutterleib oder kurz nach der Geburt gestorben sind und im Leben ihrer Familien eine große Lücke hinterlassen. Kania berichtet von einem Fall in seiner eigenen Familie. Wie sich die Vorfreude auf ein Kind plötzlich in Schockstarre verwandelt. Wie Eltern in Trauer versinken, Geschwister nicht verstehen, was passiert ist.
Tot- und Fehlgeburten sind weniger Tabutehma als vor 30 Jahren
Schon Ende 1989 machte sich eine Saalfelder Mutter, selbst Betroffene, für andere Eltern von Sternenkindern stark. Sie gründete die Selbsthilfegruppe "Hoffnung nach verlorenem Leben", die heute von Katja Moecke geleitet wird. Alle vier Wochen treffen sich Trauernde zum Gespräch. Geben sich gegenseitig Halt. Das Thema Sternenkinder werde inzwischen auch in der Gesellschaft offener diskutiert als noch vor 30, 40 Jahren, sagt Katja Moecke.
Früher wurden Tot- oder Fehlgeburten oft verdrängt. "Totgeburten wurden zum Teil sozusagen als Abfall entsorgt. Die Eltern hatten keine Möglichkeit, Abschied zu nehmen", sagt Katja Moecke. Auch einen Platz zum Trauern gab es nicht. Den schuf die Selbsthilfegruppe dann in den 1990er-Jahren mit einem ersten Sternenkindergrab. 35 Urnen liegen hier. Mit wie vielen Kinder darin, ist nicht bekannt.
Alle Plätze im bisherigen Sternenkindergrab belegt
Die Idee für die neue Anlage kam 2023 in der Selbsthilfegruppe auf. Im alten Sternenkindergrab gab es keine freien Plätze mehr. Außerdem wünschten sich die Eltern einen Platz, wo sie kleine Erinnerungsstücke aufstellen können. Farbenfroh und in der Nähe der anderen Grabstätte sollte er sein, damit die Sternenkinder zusammen sein können.
Bei Friedhofsleiterin Anita Möckel traf die Selbsthilfegruppe sofort auf offene Ohren. "Wir haben Ideen ausgetauscht und hatten sehr schnell ein Konzept für das neue Grab", sagt sie. "Und auch meine Friedhofsmitarbeiter waren gleich dabei. Das hat mich sehr berührt."
Neue Grabanlage komplett mit Spenden finanziert
Die Kosten für die neue Anlage konnten über Spenden bezahlt werden. 6.700 Euro kamen innerhalb von nur zwei Tagen zusammen. Genug für Material und die Arbeit des Steinmetzes Clemens Keck aus Saalfeld, der das Sternenkindergrab aus italienischem Travertin gefertigt hat. Ein helles und dichtes Material, das am Abend der Einweihung im Sonnenlicht leuchtet. Vor dem Grabstein liegen Platten aus dem gleichen Material. Hier können die Eltern ihre kleinen Gaben abstellen. Dazwischen haben die Friedhofsgärtner Frühlingsblumen gepflanzt.
Viele der Friedhofsmitarbeiter sind auch zur Einweihung gekommen. Sie sind stolz auf das neue Sternenkindergrab. Platz für 30 Urnen hat die Anlage. Wie bisher sollen die Sternenkinder zwei Mal im Jahr gemeinsam hier beerdigt werden. Die ersten von ihnen werden am 14. Juni hier ihre letzte Ruhe finden.
MDR (ost)
Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Das Fazit vom Tag | 05. April 2025 | 18:00 Uhr
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