
Leidensweg Nach zwölf Jahren Pause: Die Küllstedter Passionsspiele im Eichsfeld sind zurück
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28. März 2025, 10:47 Uhr
Passionsspiele sind in christlichen Gegenden in der Fastenzeit ein großes Brauchtum. Auch im Eichsfeld. Die bekanntesten und größten finden alle paar Jahre in Küllstedt statt - zuletzt 2013. Eindrücke von der letzten Probe.
Die Scheinwerfer werden noch einmal passend ausgerichtet, die Mikrofone getestet, Akustik und Lautstärke überprüft. Es geht geschäftig zu in der Kirche St. Georg und Juliana in Küllstedt im Eichsfeld. Die Aufregung ist groß, denn nach zwölf Jahren werden die traditionsreichen, beliebten Passionsspiele endlich wieder aufgeführt.
Die Anfänge der Passion bis heute
Im Jahr 1996 fanden die Küllstedter Passionsspiel zum ersten Mal statt. Damals noch mit einem Textbuch aus Oberammergau - der Wiege der Passionsspiele - und geliehenen Kostümen vom Theater Nordhausen. Es folgten weitere Inszenierungen 2001, 2007 und 2013.
Dann kam aber die Corona-Pandemie.
Inzwischen schreiben die Küllstedter ihre eigenen Texte, variieren mit den Szenen, tragen handgeschneiderte Kostüme und verleihen den Passionsspielen ihren ganz eigenen Eichsfelder Charme. Die lange Pause von 2013 bis heute ist der Coronapandemie geschuldet, erklärt Roland Schmerbauch. Er gehört zum sechsköpfigen Spielleiter-Team:
"Es gab Überlegungen 2019 zu spielen, aber der Fokus fiel auf 2021, weil dort ein Ortsjubiläum stattfand. Wir wollten das mit den Passionsspielen zusammenlegen - dann kam aber die Corona-Pandemie. Danach hat es auch wieder zwei bis drei Jahre gebraucht um das Ganze wieder dahin zu bringen, wo wir heute sind."
300 Freiwillige sind beteiligt
Über 300 Freiwillige sind an den Passionsspielen beteiligt: Darunter ca. 140 große und kleine Darsteller, 80 Chormitglieder, das Orchester, Techniker und Spielleiter, Bühnenbauer und 12 Kostümschneiderinnen.
Die ersten Vorbereitungen zu dieser Inszenierung starteten vor ungefähr zwei Jahren. In die konkrete Umsetzung und Proben ging es dann ab August 2024. Die Anzahl der Proben lässt sich nicht genau beziffern. Einige Darsteller haben mehr als 20 Proben hinter sich, andere wieder nur zwei oder drei. Aber am Wochenende der Generalprobe sind alle mit dabei, denn da werden alle Szenen noch einmal durchgespielt.
Küllstedt variiert mit den Szenen
Passionsspiele stellen die letzten Tage im Leben Jesu Christi da. Sie beginnen zumeist mit dem Einzug Jesus' in Jerusalem und erzählen die Leidensgeschichte von der Verurteilung bis zur Kreuzigung und Auferstehung. Darunter sind Szenen wie das letzte Abendmahl, der Ölberg oder auch die Römer und Pilatus.
In Küllstedt kommen aber auch andere Szenen zur Aufführung - 2013 war es "Die Hochzeit zu Kana", in diesem Jahr "Der Tanz um das Goldene Kalb". Eine alttestamentarische Szene aus dem zweiten Buch Mose (Exodus). Fragt man das Ensemble, dann liegt die Besonderheit der Küllstedter Passionsspiele in dem unvergleichlichen Zusammenhalt aller Mitwirkenden:
Es ist ein Gemeinschaftswerk.
Mathias Jakobi spielt zum zweiten Mal den Jesus: "Es ist ein Gemeinschaftswerk, in dem das Dorf zusammenspielt, zusammenhält. Über Gräben hinwegguckt, die vielleicht auch da sind. Für diese Zeit ist da wirklich ein Zusammenhalt zwischen Leuten, die im normalen Jahresverlauf nicht so viel miteinander zu tun haben. Das ist schön zu beobachten und das zeichnet uns aus."
Ich bin nicht aus dem Ort, aber ich bin so toll aufgenommen worden.
Marita Thüne aus Kreuzebra spielt zum ersten Mal mit. Sie verkörpert eine Magdfrau und tanzt um das goldene Kalb: "Je mehr wir geprobt haben, desto intensiver war das", erzählt sie. "Ich bin nicht aus dem Ort, aber ich bin so toll aufgenommen worden. Von der ersten Probe an, war das ein herzliches Miteinander. Das hat mich sehr berührt."
Für Marita gehören die Passionsspiel in der Fastenzeit in einer katholischen Gegend wie dem Eichsfeld dazu: "Das ist ein ganz tolles Zeichen, was Küllstedt setzt, für das ganze Eichsfeld."
Vorstellungen komplett ausverkauft
Nicht zuletzt deshalb sind die Küllstedter Passionsspiele inzwischen zu einer beliebten Tradition geworden - und das Interesse der Eichsfelder für das Bühenstück ist gewachsen. Das spiegelt sich auch im Ticketverkauf wieder. Binnen kurzer Zeit waren alle Karten für die insgesamt neun Vorstellungen restlos ausverkauft. Die Einnahmen fließen in die Sanierung des über 100 Jahre alten örtlichen Freilandstationsweges.
MDR (dst)
Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Das Fazit vom Tag | 28. März 2025 | 18:00 Uhr
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