
Erfurt-Vieselbach Wenn der Bürgermeister ehrenamtlich auf Mülltour geht
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27. März 2025, 15:23 Uhr
Helfen mehr Papierkörbe, die Stadt oder das Dorf sauberer zu halten? Im Erfurter Vorort Vieselbach sind die Bewohnerinnen und Bewohner davon überzeugt. Sie haben neun zusätzliche Mülleimer aufstellen lassen. Allerdings müssen sie diese selbst leeren. Das macht derzeit Ortsteilbürgermeister Christian Poloczek-Becher.
Vieselbach hat viele Hunde. Auch Ortsteilbürgermeister Christian Poloczek-Becher (FDP) hat einen. Beim Gassigehen hat er natürlich immer die Kacktüte dabei. Doch es fehlten bislang Mülleimer. Während Poloczek-Becher seine Tüte mit nach Hause nimmt oder bis zum nächsten Papierkorb, wirft sie mancher einfach ins Gebüsch. "Wie das dann aussieht, weiß jeder und beim jährlichen Clean-Up-Day sammeln wir sie dann ein. Doch wir wollten eine andere Lösung, auch für all den anderen Müll - ob Bananenschale oder Cola-Pappbecher", sagt der ehrenamtliche Bürgermeister.
Für die 2.300 Einwohner von Vieselbach gab es bisher gerade mal drei Mülleimer. Die Vermüllung des Ortes war lange Zeit ein Thema auch im Ortschaftsrat. "Wir wollten Vieselbach einfacher sauberer halten", erzählt der Ortsteilbürgermeister. Mehr Papierkörbe sollten her. Die Stadt hat sie dann auch geliefert, angeschraubt. Nur gab es gleich die Ansage: Leeren müsst ihr sie selbst.
Es geht darum zu zeigen, man kann auch selber mit anpacken. Das muss keine Stadt machen, das muss keine Verwaltung machen. Jeder Mensch kann auch selbst mal aktiv werden und für seinen Ort was tun.
Eine halbe Stunde dauert die Mülltour
Christian Poloczek-Becher ist ein Mann der Tat: "Das war meine Maxime gewesen. Es geht darum zu zeigen, man kann auch selber mit anpacken. Das muss keine Stadt machen, das muss keine Verwaltung machen. Jeder Mensch kann auch selbst mal aktiv werden und für seinen Ort was tun." Gesagt, getan. Und so fährt der 48-Jährige mit seinem privaten Auto auf Mülltour.
Vor drei Wochen hat er das erste Mal die Runde gedreht: "Die Eimer waren voll. Das zeigt, wir hatten genau die richtige Idee. Und all der Müll wie leere Zigarettenschachteln oder eben auch die Hundebeutel landen jetzt da, wo sie hingehören - im Mülleimer." Für die Tour braucht er etwa eine halbe Stunde. Alle zwei Wochen, so ist der Plan, will er die Eimer leeren. Die vollen Säcke schafft er auf den Servicehof des Garten- und Friedhofsamtes. "Den haben wir zum Glück im Ort. Aber ich wäre auch zur Deponie gefahren. Hauptsache, in Vieselbach liegt nicht mehr so viel Müll rum."
Volle Tüte raus, leere Tüte rein
Müllmann sei nicht sein Traumjob, lacht er. Aber für einen sauberen Ort mache er das gern. Und schnell haben sich auch Freiwillige gefunden, die mitmachen wollen. So muss der Ortsteilbürgermeister nicht mehr lange allein auf Mülltour gehen. "Wir werden jetzt alle einteilen. Wenn jeder mal dran ist, ist das ja überhaupt kein Problem mehr." Die Papierkörbe werden mit einem Vierkantschlüssel geöffnet. Volle Tüte raus, leere Tüte rein. Fertig.
Da kommen wieder etliche Kilo zusammen. Das ist alles Müll, der nun nicht auf der Wiese oder Straße landet.
Die neun neuen Papierkörbe stehen auf städtischem Gelände. Das war wichtig. Die Stellplätze hat der Ortsteilbürgermeister gemeinsam mit der Stadt ausgesucht. "Wir haben geguckt, wo die meisten Leute langlaufen. Im Gewerbegebiet zum Beispiel, an der Kirche, in der Bahnhofsallee oder an der Straße hoch zum neuen Supermarkt." Christian Poloczek-Becher dreht nun schon seine zweite Runde und auch jetzt sind die Eimer zum Teil schon wieder gut gefüllt. "Da kommen wieder etliche Kilo zusammen. Das ist alles Müll, der nun nicht auf der Wiese oder Straße landet."
Für Mülleimer braucht es einen Bauantrag
Zunächst wollte der Ort die Mülleimer selbst bezahlen und aufstellen. Das hat die Bürokratie nicht zugelassen. Auch für Mülleimer braucht es einen Bauantrag und man kann sie nicht einfach an Laternenmasten anbringen. Nach Gesprächen mit der Stadt habe das Straßentiefbauamt dann die Körbe aufgestellt. Die Bedingung war allerdings, dass die Vieselbacher sie selbst leeren.
In Erfurt gibt es rund 1.400 Papierkörbe
Die Stadt Erfurt begrüße das Bürger-Engagement, heißt es aus dem Rathaus. Vieselbach sei ein Pilotprojekt und könne auch in anderen Ortsteilen Schule machen. Die Orte müssten mit der Stadtverwaltung reden über Standorte und sie müssten Freiwillige finden, die die Papierkörbe leeren, sagte eine Stadtsprecherin. Es sollte allerdings ein Wertstoffhof oder Servicepunkt des Garten- und Friedhofsamtes vorhanden sein, um die vollen Müllsäcke in einer großen Tonne entsorgen zu können.
Die drei bisherigen Papierkörbe werden weiterhin von der Stadt geleert. Die neuen stehen nicht im Tourenplan. Für das Leeren der zusätzlichen Körbe habe die Stadt weder das Personal noch das Geld, hieß es. Wenn noch mehr Ortsteile mehr Papierkörbe wollen, dann bräuchte es vier, fünf zusätzliche Müllwerker.
In Erfurt gibt es derzeit rund 1.400 Papierkörbe.
MDR (co)
Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Johannes und der Morgenhahn | 27. März 2025 | 06:50 Uhr
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