
Junioren-Bundesliga Was sagen die Vereine zur Junioren-Bundesliga-Reform?
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28. Juli 2024, 14:50 Uhr
Die Junioren des FC Carl Zeiss Jena und des FC Rot-Weiß Erfurt spielen künftig in der Bundesliga. Diese Reform ist Teil der neuen Jugendausbildung des DFB. Jena hat bereits Erfahrung und angepasste Strukturen. Erfurt muss investieren, um die Profi-Bedingungen des DFB zu erfüllen.
Die Bundesliga ist das Aushängeschild des deutschen Fußballs, doch der Erfolg beginnt oft weit unterhalb der Eliteklassen. Um Nachwuchstalente besser zu fördern, hat der DFB eine umfassende Reform der U17 und U19 Bundesliga beschlossen.
Vereine mit einem Nachwuchsleistungszentrum spielen fortan immer in der Junioren-Bundesliga. Die Mannschaften können nicht absteigen. Dies trifft auch die zwei Thüringer Vereine FC Rot-Weiß Erfurt und FC Carl Zeiss Jena. Ligastart ist am ersten Augustwochenende.
FC Carl Zeiss Jena profitiert von vorhandenen Strukturen
Aus den vergangenen Jahren kann die Jugend des FC Carl Zeiss Jena Bundesligaerfahrung vorweisen. Für den Verein entsteht ein geringer finanzieller Aufwand, da die Junioren schon regelmäßige Fahrten nach Hamburg oder Bremen machen mussten. Das alte Bundesligasystem sei vom DFB jedoch besser gefördert worden.
Die Infrastruktur und Trainingsstätten sind schon vorhanden und müssen nicht erweitert werden. Der Verein zieht viel Positives aus der Reform. "Wir können uns dann besser auf die individuelle Förderung und Ausbildung einzelner Spieler konzentrieren", so Steffen Israel, Jugendtrainer und pädagogischer Leiter. Die Mannschaften können nicht absteigen, dies bedeutet weniger Druck für Trainer und Spieler.
Jenas Trainer sieht Verbesserungsbedarf
Steffen Israel sieht die Regel für diesen Altersbereich jedoch unangebracht. "Die U19 soll mit Abstiegsdruck konfrontiert werden, um sie auf die im Profibereich vorherrschenden Druckbedingungen vorzubereiten." Für alle jüngeren Mannschaften fände er die Regel gut.
Zum Aufklappen: Was wird sich konkret ändern?
- Ändern wird sich die komplette Ligastruktur. In der kommenden Saison werden die Mannschaften der U17 und U19 Bundesliga deutschlandweit spielen.
- In der Vorrunde werden die teilnehmenden Mannschaften in Gruppen aufgeteilt, wobei jede Gruppe maximal acht Teams umfasst, die in Hin- und Rückspiel aufeinandertreffen.
- In der zweiten Saisonhälfte verzweigt sich die DFB-Nachwuchsliga in Liga A und B. Die Erst- und Zweitplatzierten jeder Vorrundengruppe sowie die besten Gruppendritten qualifizieren sich für Liga A.
- Diese insgesamt 24 Klubs werden erneut auf vier Gruppen à sechs Teams verteilt.
- Nach weiteren zehn Spieltagen ziehen die vier besten Mannschaften jeder Gruppe ins Achtelfinale um die Deutsche Meisterschaft ein. Dort geht es in den K.o.-Modus. Dann wird der Deutsche Meister ausgespielt.
Ambivalent sei allerdings, dass die U15 und U14 mit dem Abstiegsdruck spielen. "Das hätten wir sehr gerne umgedreht, dass die 14-Jährigen sich frei entfalten können und ohne Ergebnisdruck spielen und die 18-Jährigen sollten schon langsam wissen, was es heißt, etwas zu erreichen oder auch mal abzusteigen."
Das hätten wir sehr gerne umgedreht, dass die 14-Jährigen sich frei entfalten können und ohne Gegnerdruck spielen, und die 18-Jährigen sollten schon langsam wissen, was es heißt etwas zu erreichen oder auch mal abzusteigen.
Rot-Weiß Erfurt ist noch nicht konkurrenzfähig
Seit Januar hat die RWE-Jugendabteilung den Status des Nachwuchsleistungszentrums zurück. Doch reicht das, um konkurrenzfähig zu sein? RWE Vorstandssprecher Lars Fuchs meint: "Wir müssen in der ersten Saison wahrscheinlich viel Lehrgeld bezahlen. Ich denke nicht, dass wir jetzt schon konkurrenzfähig sind." Es sei aber eine Motivation, dass sich die Kinder besser weiterentwickeln.
Wir müssen in der ersten Saison wahrscheinlich viel Lehrgeld bezahlen. Ich denke nicht, dass wir jetzt schon konkurrenzfähig sind.
220.000 Euro Mehraufwand für Rot-Weiß Erfurt
Bis es so weit ist, müssen zunächst die Anforderungen des DFB für die kommende Saison erfüllt werden. 220.000 Euro mehr kostet die Bundesliga den Fußballclub. Hierzu zählen bessere Trainerausbildungen, Physiotherapeuten und Psychologen.
Hinzu kommen weitere Fahrtwege nach Bochum, Bremen und Osnabrück, weil Erfurt in die bundesweite Weststaffel eingeteilt wurde. Zwei zusätzliche Kleinbusse seien dafür schon angeschafft worden. Der rot-weiße Nachwuchs spielte in der vergangenen Zeit auf regionaler Ebene. Die Entfernungen waren überschaubar und Übernachtungen nicht nötig. Das wird sich jetzt ändern.
Um das fehlende Geld auszugleichen, hofft der Fußballclub auf höhere Unterstützung seiner bisherigen Spender, um das NLZ zu tragen. Auch bundesweit möchte der Verein neue Sponsoren finden.
Mit der Insolvenz des Hauptsponsors Marblelution GmbH, die das Unternehmen vor einigen Tagen erreichte, wird die Luft für den Fußballclub jedoch dünner. Und für die U17- und U19-Mannschaft fehlt jeweils noch ein Hauptsponsor, der auf dem Trikot erscheinen soll. Werden die 220.000 Euro nicht erreicht, "müsse der Verein den NLZ Status in Frage stellen", so Lars Fuchs.
Rot-Weiß Erfurt fehlt noch der passende Kunstrasenplatz
Auch ein ganzjährig bespielbarer Platz müsse laut DFB-Richtlinien zur Verfügung stehen. Wenn die Rasenplätze im Herbst und Winter nicht mehr bespielbar sind, dann müsse auf Kunstrasen gewechselt werden. "Aktuell haben wir in Erfurt keinen Kunstrasen mit entsprechenden Bundesligamaßen", so der Vorstandssprecher Lars Fuchs.
Spatenstich für den geeigneten Kunstrasen im Gebreite soll im Herbst dieses Jahres sein. Auf der anderen Seite können mit Spielern eines Nachwuchsleistungszentrums mehr Gelder eingenommen werden. Eine Entschädigung für die hochwertiger ausgebildeten Spieler. Allerdings gelte diese Regel erst ab dem 1. Januar 2025. Weshalb größere Vereine sich aktuell bei Rot-Weiß nach "günstigen" Talenten umschauen würden.
Thüringer Talente sollen länger in der Heimat bleiben
Der Thüringer Fußballverband sieht die Reform des DFB positiv. Landestrainer Norman Loose findet, dass der deutsche Fußball auf internationaler Ebene immer mehr ins Hintertreffen geraten sei. "Entsprechend war es richtig, die bestehenden Strukturen zu hinterfragen und sich neu zu orientieren."
Andere Länder und Verbände hätten es vorgemacht und seien uns hier noch voraus. Für ihn als Landestrainer sei es zukünftig von großem Vorteil, dass beide Nachwuchsleistungszentren mit ihren A- und B- Junioren-Teams automatisch in der höchsten deutschen Spielklasse vertreten sind. "Man kann davon ausgehen, dass unsere regionalen Toptalente länger in der Heimat bleiben und sich so auch entsprechend wieder eine höhere Identifikation mit unseren Clubs etabliert."
Für Vereine ohne Leistungszentrum gilt: Wer sich auf regionaler Ebene auch ohne Nachwuchsleistungszentrum durchsetzt, hat die Möglichkeit in die Nachwuchs-Bundesliga aufzusteigen.
MDR (gh)
Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 28. Juli 2024 | 18:00 Uhr
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