Warnhinweis Ratten- und Mäuseköder 3 min
Audio: Ratten werden in der Regel mit Giftködern getötet. Bildrechte: imago images/blickwinkel
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MDR AKTUELL beantwortet die Hörerfrage

MDR AKTUELL Mi 02.04.2025 06:25Uhr 03:01 min

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Bekämpfung Werden Unfruchtbarkeits-Köder bei Rattenplagen in Sachsen eingesetzt?

02. April 2025, 06:34 Uhr

Bei Rattenplagen werden in der Regel Giftköder eingesetzt, um sie zu bekämpfen. Allerdings werden in den USA auch Köder genutzt, die die Tiere nicht töten, sondern sie stattdessen unfruchtbar machen sollen. Ein Hörer von MDR AKTUELL möchte wissen, ob diese Köder auch in Sachsen zum Einsatz kommen.

Große Rattenplagen wie man sie beispielsweise aus New York kennt, gibt es in Dresden und Leipzig nicht. Das haben die beiden Städte auf Nachfrage von MDR AKTUELL bestätigt. Die Leipziger Wasserwerke berichten, dass es in der Kanalisation pro Jahr etwa 50 Rattensichtungen gibt. In Dresden sind es etwa 20, erzählt Kanalbetriebsleiter Frank Männig.

Vorgehen mit Giftködern

In solchen Fällen kommen althergebrachte Mittel zum Einsatz: "Dann legen wir in der Kanalisation Köder aus und kontrollieren sie regelmäßig, bis der Befall an der Stelle nicht mehr vorliegt, also die Köder nicht mehr weggefressen werden", sagt Männig. Ganz konkret handelt es sich dabei um Giftköder, die die Ratten töten sollen.

Dem Einsatz von neuartigen Ködern, die die Tiere lediglich unfruchtbar machen würden, steht Männig offen gegenüber. Auch der Deutsche Tierschutzbund ist grundsätzlich dafür, erklärt Sprecherin Lea Schmitz: "Das ist sehr viel weniger massiv als der Einsatz von Giftködern, der erhebliches Leid und Schmerzen über die Tiere bringt, sehr qualvoll ist und schließlich zum Tod führt. Deshalb wäre das aus Tierschutzsicht eine Methode, die zu befürworten wäre."

Köder könnten ganze Arten ausrotten

Es gibt allerdings ein entscheidendes Problem. Der Einsatz solcher Unfruchtbarkeits-Köder ist in der EU und damit auch in Deutschland nicht erlaubt. Die Stadt München hat deshalb im vergangenen Jahr ein entsprechendes Pilotprojekt abgelehnt. Begründung: Die Köder enthielten den Wirkstoff Vinclozolin, der im Verdacht stehe krebserregend zu sein und in allen EU-Staaten sowie der Schweiz keine Zulassung habe.

Das bestätigt auch Martin Claus, Vorstand beim Deutschen Schädlingsbekämpfer-Verband. Er sieht in den Ködern noch eine weitere Gefahr: "Im allerschlimmsten Fall müsste man annehmen, könnte man damit eine ganze Art ausrotten, was nicht unbedingt das Ziel sein darf. Die Tiere sind nur da Schädling, wo sie dem Menschen in die Quere kommen." In anderen Bereichen der Natur gälten sie nicht per se als Schädlinge.

Bei den Ködern sei einiges unklar, sagt Claus. Zum einen, was mit der Umwelt oder anderen Tieren passiert, wenn sie damit in Kontakt kommen – und auch, ob sie in der freien Wildbahn überhaupt so wirken, wie sie sollen.

Keine wissenschaftlichen Belege für Unfruchtbarkeits-Köder

Ähnliche, vergebliche Versuche habe es in den 80er-Jahren auch schon mit Tauben gegeben, sagt Claus. "Das scheitert meist daran, dass diese Produkte sehr gut und gezielt dosiert eingesetzt werden müssen. Sie können dem Tier aber schlecht vorher sagen, wie viel es von dem Präparat aufnehmen soll, damit es die optimale Wirkung hat und daran scheitern diese Ansätze meistens."

Eine Präzisionswaage mit zusätzlicher App soll einige Schritte der Schädlingsbekämpfung digitalisieren. 24 min
Eine Präzisionswaage mit zusätzlicher App soll einige Schritte der Schädlingsbekämpfung digitalisieren. Bildrechte: MDR/Eric Neugebauer/Benedikt Fitzke

Auch Annika Schlötelburg, die sich beim Umweltbundesamt in Dessau mit Gesundheitsschädlingen befasst, sieht bisher keine wissenschaftlichen Belege für einen nachweisbaren Erfolg der neuen Köder. Es gebe lediglich Laborstudien, aber noch keine Feldstudien, sagt sie. Schlötelburg hält es für unwahrscheinlich, dass die Köder in der EU zugelassen werden.

Prävention statt Unfruchtbarkeit

Sie empfiehlt, sich bei der Bekämpfung von Ratten mehr auf die Ursachen, statt auf die Symptome zu fokussieren: "Momentan ist es so, dass wir in Städten ein regelrechtes Rattenparadies anbieten mit viel Futter und Versteckmöglichkeiten. Solange wir das nicht angehen und die Futterressourcen für die Ratte nicht einschränken, werden wir auch immer ein Rattenproblem haben."

Um das in den Griff zu bekommen, brauche es ein einheitliches Rattenmanagement, also eine Abteilung in jeder Stadt, die Maßnahmen koordiniert. Am besten helfe immer noch Prävention, sagt Schlötelburg. Also keinen Müll offen herumliegen zu lassen, kein Essen in der Toilette zu entsorgen und auch keine Wildtiere zu füttern. Denn wo es nichts zu holen gibt, sind auch keine Ratten.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | Das Nachrichtenradio | 02. April 2025 | 06:25 Uhr

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