
Theater der Jungen Welt Künftige Intendantin sieht Theater als Alternative zu TikTok und Co.
Hauptinhalt
23. Mai 2024, 10:57 Uhr
Der Leipziger Stadtrat hat es bestätigt: Ab der Spielzeit 2025/26 wird Miriam Tscholl die neue Intendantin am Theater der Jungen Welt (TDJW). Am Staatsschauspiel Dresden war sie Leiterin der Bürgerbühne und verantwortet dort aktuell das Projekt "X-Dörfer" für mehr Kultur im ländlichen Raum. Am TDJW will Miriam Tscholl Erfahrungen der Jugendlichen aus dem Digitalen auf die Bühne bringen und auch im Umland präsent sein.
- Theater solle eine Alternative zu Sozialen Medien sein, sagt die zukünftige TDJW-Intendantin Miriam Tscholl.
- Für ihre Amtszeit ab 2025 plant sie dort auch mobile Produktionen im ländlichen Raum.
- Um Menschen mit Migrationsgeschichte ins Theater zu holen, bringt sie konkrete Ideen mit.
Für Miriam Tscholl ist das analoge Theater mit seinen Live-Erlebnissen eine Alternative zu den Sozialen Medien. Wie sie im Gespräch bei MDR KULTUR erzählte, sollten die medialen Erfahrungen der jungen Menschen aber gleichzeitig aufgegriffen und überraschend in Inszenierungen eingesetzt werden, denn das Digitale sei eine wichtige Lebensrealität.
Was Kinder und Jugendliche im digitalen Raum erlebten, solle dabei in die Wirklichkeit überführt werden, betont Tscholl: "Zum Beispiel Cybermobbing ist ein ganz wichtiges Thema in jeder Schulklasse." Auch in der Öffentlichkeitsarbeit seien die sozialen Medien wichtig, um die Zielgruppe dort anzusprechen.
Wie Theater aufs Dorf kommt
Jede Kulturinstitution müsse einen Beitrag für Kultur im ländlichen Raum leisten, erklärte Miriam Tscholl bei MDR KULTUR. Mit dem Projekt "X-Dörfer" leitet Tscholl derzeit noch kulturelle Projekte rund um Dresden an – da, wo es kaum noch Theater, Kulturhäuser oder Kinos gibt. Für das TDJW plant sie, mit mobilen Produktionen auch im ländlichen Umfeld präsent zu sein. Das sei zwar sehr aufwändig, läge aber nicht nur in der Verantwortung der Landesbühnen, erklärte die zukünftige Intendantin.
Einladen, einladen, einladen – muss die Programmatik eines Theaters für junge Zuschauer sein.
Wie man ein zunehmend diverses Publikum abholt
"Einladen, einladen, einladen – muss die Programmatik eines Theaters für junge Zuschauer sein", sagte Miriam Tscholl. Im Programm wie in der Ansprache brauche es Sensibilität für die Unterschiedlichkeit und Diversität, die es in einer Stadt wie Leipzig gebe.
Für eine niederschwellige Ansprache für Menschen mit Migrationsgeschichte schlug Tscholl vor, auf der Bühne beispielsweise mit mehr Bildern zu arbeiten. Und sie hat noch mehr Ideen: "Man muss auch nicht jeden Klassiker ausschließlich Deutsch denken. Man könnte zum Beispiel Romeo und Julia auch mal verschneiden mit dem arabischen Leila und Madschnun."
Wie Theater eine Schule der Empathie sein kann
Zu seiner Gründung nach dem Zweiten Weltkrieg sollte das Theater der Jungen Welt zur Erziehung der Jugend dienen, um den Faschismus aus den Köpfen zu tilgen. Auf die Frage, ob das Theater als moralische Anstalt heute immer noch – oder wieder – ein Ansatz wäre in einem Haus für junge Menschen, antwortet die künftige Intendantin: "Moralische Anstalt" würde nicht so gut klingen.
Aber sie verstehe das Theater schon als eine Schule für Empathie, wo wir etwas über uns und über andere Menschenlernten: "In dem wir aber auch Dinge, die in unserem Grundgesetz verankert sind, wie das Recht auf Gleichheit, auf Freiheit und auf Selbstverwirklichung in den Stücken finden."
Das Theater der Jungen Welt
Das Theater der Jungen Welt in Leipzig ist das älteste professionelle Kinder- und Jugendtheater in Deutschland. Miriam Tscholl folgt 2025 auf die Intendantin Winnie Karnofka, die das Jugendtheater seit 2020 leitet und aus persönlichen Gründen ihren Vertrag nicht verlängert hat.
Quellen: MDR KULTUR (Stefan Petraschewsky), Theater der Jungen Welt
Redaktionelle Bearbeitung: jb, hro
Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 23. Mai 2024 | 08:40 Uhr