Ein Arzt misst in einer Praxis einer Patientin den Blutdruck. 1 min
Erst kürzlich gekippt, will die AOK Budgetobergrenzen für Ärzte wieder einführen. Das sorgt für massive Kritik. (Symbolbild) Bildrechte: picture alliance/dpa | Bernd Weissbrod
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MDR SACHSEN-ANHALT Do 27.02.2025 10:37Uhr 00:33 min

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Geld für Mehrarbeit Ärzte kritisieren AOK: Krankenkasse will Honorar-Obergrenze wieder einführen

27. Februar 2025, 14:36 Uhr

Durch den Wegfall von Budget-Obergrenzen sollen Ärzte Mehrarbeit sicher bezahlt bekommen. Die Krankenkasse AOK will das rückgängig machen – denn die Krankenkassen rechnen mit deutlichen Mehrkosten. Der Vorstoß der AOK sorgt für massive Kritik der Kassenärztlichen Vereinigung.

Die Kassenärztliche Vereinigung (KVSA) in Sachsen-Anhalt reagiert mit massiver Kritik auf das am Mittwoch vorgestellte Sofortprogramm der AOK. Die Krankenkasse will demnach, dass die kürzlich beschlossene Aufhebung der Budgetbeschränkungen für Haus-, Kinder- und Jugendärzte wieder rückgängig gemacht werden.

Wegfall der Budget-Obergrenze – Das steckt dahinter

Ende Januar hatte der Bundestag ein Gesetz gebilligt, das die hausärztliche Versorgung in Städten und auf dem Land verbessern soll. Unter anderem sollen Budget-Obergrenzen für Ärzte wegfallen. Dadurch sollen sie Mehrarbeit sicher bezahlt bekommen, auch wenn das Budget schon ausgeschöpft ist. Die Hoffnung ist, dass es für Ärzte attraktiver wird, mehr Patienten aufzunehmen.

Bei den gesetzlichen Krankenkassen führt die Entscheidung zu Mehrkosten. Das Bundesgesundheitsministerium hatte einen "unteren dreistelligen Millionenbetrag" genannt.

"Es ist erschreckend, wie die gemeinsame Verantwortung für die Versorgung gesehen wird", sagte Jörg Böhme, der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung in Sachsen-Anhalt. Er forderte die AOK auf, die vorgeschlagenen Ideen umgehend zurückzunehmen. "Sie gehören in den Papierkorb."

Bundestagsentscheidung zu Ärzte-Budgets Ende Januar

Die Bundesregierung hatte die Entbudgetierung der Haus-, Kinder- und Jugendärzte erst im Januar 2025 beschlossen – kurz vor der Bundestagswahl. Dass die AOK diese Festlegung jetzt wieder rückgängig machen wolle, sei unverständlich, sagte Böhme. Die Praxen würden von der Gesundheitskasse nicht gewertschätzt. Außerdem sei der Vorstoß auch mit Blick auf die Patienten unverantwortlich.

Die AOK-Gemeinschaft hat unterdessen an die zukünftige Bundesregierung appelliert, das Sofortprogramm mit dem Titel "Stabile Finanzen für Gesundheit und Pflege – jetzt!" zügig umzusetzen, "um die finanzielle Stabilität im Gesundheits- und Pflegebereich langfristig zu gewährleisten".

Das steht im Sofortprogramm der AOK

  • Der Staat soll vollständige Beitragspauschalen für Bürgergeldbeziehende in der Gesundheitsversorgung übernehmen, was nach Angaben der AOK Einsparungen von etwa 10 Milliarden Euro für die Gesetzliche Krankenversicherung bedeuten würde.

  • Gefordert werden die Dynamisierung des Bundeszuschusses, die Rückerstattung von Pandemiekosten und die Übernahme der Ausbildungsumlage durch den Bund. Dies könnte rund 9,75 Milliarden Euro einbringen.

  • Eine Senkung der Mehrwertsteuer auf Arzneimittel von 19 Prozent auf 7 Prozent könnte laut AOK Einsparungen von 7 Milliarden Euro bringen. Zudem wird eine Erhöhung des Herstellerrabatts von 7 Prozent auf 16 Prozent vorgeschlagen, was weitere 1,8 Milliarden Euro einsparen soll.

  • Durch Maßnahmen wie die Aufhebung von Prüfquoten bei Krankenhausabrechnungen und die Vermeidung von Doppelfinanzierungen bei Pflegebudgets könnten nach AOK-Anhaben bis zu 3,5 Milliarden Euro eingespart werden.

Die Gesundheitskasse AOK gibt an, dass mit ihrem Sofortprogramm deutschlandweit bis zu 35 Milliarden Euro bei Gesundheit und Pflege eingespart werden könnten.

Mehr zum Ärztliche Versorgung

MDR (Stephan Schulz, Oliver Leiste)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 27. Februar 2025 | 09:00 Uhr

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