Das Teufelchen aus dem Kasperletheater klettert im Haus der Oma auf den Tisch, um sich über die Pfannkuchen herzumachen. In der Hand hält er eine kleine Forke.
Alarm im Kasperletheater gehört zu einem absoluten Klassiker der DEFA-Trickfilm Studios. Bildrechte: DEFA-Stiftung/Werner Baensch

70 Jahre DEFA-Trickfilmstudio Die Magie der DEFA-Trickfilme: Acht DDR-Klassiker aus dem Trickfilmstudio Dresden

02. April 2025, 14:01 Uhr

Das DEFA-Trickfilmstudio Dresden feiert 70 Jahre kreative Filmkunst! Seit 1955 prägte es die Trickfilmwelt der DDR mit handgefertigten Puppen und aufwendig gestalteten Figuren. Von 1955 bis 1992 entstanden hier fast 2.000 Filme, die nicht nur Kinder verzauberten, sondern mit ihren oft gesellschaftskritischen Themen auch Erwachsene zum Nachdenken brachten. Die Werke wurden in über 100 Länder verkauft und sind ein einzigartiges Stück Filmgeschichte. Wir werfen einen Blick auf einige der bekanntesten und unvergesslichen Klassiker:

Teuflischer Puppentrubel: "Alarm im Kasperletheater" (1960)

Ein turbulenter Zeichentrickfilm, basierend auf dem Bilderbuch von Nils Werner. Kasper und seine Freunde wollen Omas Geburtstag feiern, doch über Nacht sind all die leckeren Pfannkuchen verschwunden! Verdächtigt wird das bekannte Teufelchen, und schon beginnt eine aufregende Jagd nach dem Dieb. Mit den liebevoll animierten Puppen und einer fantasievollen Umsetzung wurde der Film besonders bei Kindern beliebt und avancierte zu einem der bekanntesten Zeichentrickfilme der DEFA-Trickfilmstudios. Bis zur Wende gab es den Film mindestens einmal im Jahr im DDR-Fernsehen.

Kasper und seine Freunde sitzen zusammen mit der Oma am gedeckten Tisch und freuen sich auf die Pfannkuchen.
Bei Omas Geburtstag dürfen die leckeren Pfannkuchen nicht fehlen. Bildrechte: DEFA-Stiftung/Werner Baensch

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"Alarm im Kasperletheater"
Regie: Lothar Barke
Jahr: 1960
Länge: 16 Minuten

Vom Filmerfolg zur Serie: "Patafil und Filopat - Der Wettlauf" (1962)

Mit "Der Wettlauf" begann die Erfolgsgeschichte der kultigen Drahtfiguren Filopat und Patafil – auch bekannt als "Kurz" und "Lang". Ursprünglich für den französischen Markt produziert, erzählt der Film humorvoll und spannend von einem Wettlauf, bei dem Einfallsreichtum wichtiger ist als reine Geschwindigkeit. Der stilisierte, reduzierte Look und der charmante Slapstick machten den ersten Film zum Auftakt einer 39 Folgen langen Serie.

Die berühmten Figuren Filopat und Patafil aus Holzkopf, Drahtkörper und Kunststoff-händen.
Die Drahtmännchen "Kurz" und "Lang" oder später auch bekannt als Filopat und Patafil. Bildrechte: DEFA Stiftung/Helmut May

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"Patafil und Filopat - Der Wettlauf"
Regie: Günter Rätz
Jahr:1962
Länge: ca. 6 Minuten

Humorvoll und gesellschaftskritisch: "Die Steinzeitlegende" (1965)

Mit Witz und Charme erzählt dieser Animationsfilm die urkomische Geschichte einer Steinzeitgesellschaft, die das Rad entdeckt. Doch Fortschritt bringt nicht nur Vorteile – und schon bald zeigt sich, dass auch in der Steinzeit Macht und Gier eine Rolle spielen. In einem liebevoll gezeichneten, stilisierten 2D-Look entfaltet sich eine humorvolle, aber tiefgründige Satire auf den menschlichen Erfindergeist.

Eine Animationsfigur auf einem kleinen Holzwagen vor einem liebevoll gezeichneten Hintergrund.
Mit seiner liebevollen Puppentricktechnik erweckt "Die Steinzeitlegende" die prähistorische Welt in einzigartigem, detailreichem Stil zum Leben. Bildrechte: ©DEFA-Stiftung/Wolfgang Bergner

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"Die Steinzeitlegende"
Regie: Herbert Löchner
Jahr: 1965
Länge: 11 Minuten

Im Silhouettenstil: "Lieber Mohr" (1973)

"Lieber Mohr" nutzt die Silhouetten-Technik, um Episoden aus dem Leben von Karl Marx zu erzählen – ein Spiegelbild des sozialistischen Zeitgeistes der DDR. In einer Zeit, in der Marx' Theorien in der Gesellschaft eine zentrale Rolle spielten, wurde dieser Trickfilm produziert, um gesellschaftliche Missstände und Vorurteile anzugehen. Heute wirkt der Film aus der Perspektive von Humor und Distanz fast schon etwas surreal, doch er bleibt ein faszinierendes Relikt der politischen und kulturellen Landschaft der DDR.

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"Lieber Mohr"
Regie: Bruno J. Herrmann, Jörg Herrmann
Jahr: 1972
Länge: 22 Minuten

Figuren aus: „Lieber Mohr“ - ein Silhouettenfilm, an dem auch Jörg Hermann beteiligt war. 45 min
Figuren aus: „Lieber Mohr“ - ein Silhouettenfilm, an dem auch Jörg Hermann beteiligt war. Bildrechte: MDR/Manuel Meinhardt
45 min

Der Osten - Entdecke wo du lebst Di 01.04.2025 21:00Uhr 44:52 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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Hochgelobt: "Die Suche nach dem Vogel Turlipan" (1976)

An der Universität von Salamanca wird ein Dekan von seinen Kollegen ausgelacht, weil er fest entschlossen ist, den sagenhaften Vogel Turlipan zu finden. Unbeirrt macht er sich auf eine Reise, die ihn über Berge und durch Täler führt. Der Puppentrickfilm wurde für seine künstlerische Gestaltung und die innovative Animationstechnik hochgelobt und gilt als eines der bedeutendsten Werke von Kurt Weiler.

Zwei Animationsfiguren in einer skurrilen Landschaft mit Bürstenbäumen
Der Dekan der Universität Salamanca, unbeirrt vom Spott seiner Kollegen, auf der Suche nach dem sagenhaften Vogel Turlipan. Bildrechte: ©DEFA-Stiftung/Erich Günther, Tony Loeser

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"Die Suche nach dem Vogel Turlipan"
Regie: Kurt Weiler
Jahr: 1976
Länge: 13 Minuten

Ein absoluter Klassiker: "Die fliegende Windmühle" (1978-1981)

Dieser liebevoll gestaltete Puppentrickfilm von 1982 erzählt die Geschichte von Olli, die aufgrund eines schlechten Zeugnisses kurzerhand beschließt, mit ihrem Hund Pinkus und dem Pferd Alexander davonzulaufen. Gemeinsam suchen sie Unterschlupf in einer Windmühle, in der ein Professor experimentiert. Als Ollis Neugier die Mühle jedoch in den Weltraum katapultiert, erleben sie eine Reihe fantastischer Abenteuer. Mit seiner detailreichen Animation und der fantasievollen Handlung gehört der Film zu den beliebtesten und besonders geschätzten Werken des DEFA-Trickfilmstudios.

Die ikonischen Puppen für die Figuren Olli (rechts) und der Professor (links).
"Die fliegende Windmühle": Ein fantasievolles Puppentrick-Abenteuer über Mut, Freundschaft und eine unglaubliche Reise ins Weltall. Bildrechte: ©DEFA-Stiftung/Helmut May

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"Die fliegende Windmühle"
Regie: Günter Rätz
Jahr: 1978-1981
Länge: 82 Minuten

Ein zeitloses Märchen: "Zwerg Nase" (1985)

"Zwerg Nase" ist ein kunstvoll inszenierter Puppentrickfilm, der Wilhelm Hauffs Märchen in aufwendiger Stop-Motion-Technik zum Leben erweckt. Der Junge Jacob wird von einer Fee in einen hässlichen Zwerg verwandelt, entwickelt jedoch außergewöhnliche Kochkünste und sucht zusammen mit der Gans Mimi nach einem Weg zurück zu seinem wahren Ich. Die detailreich gestalteten Figuren, fantasievolle Kulissen und stimmungsvolle Beleuchtung verleihen der fantastischen Welt und ihren Bewohner*innen lebendige Tiefe und sind vielen bis heute im Gedächtnis geblieben.

Der Marktplatz aus dem Film: zu sehen ist die Fee in einem dicken Umhang und mit langer Nase wie sie mit einer Verkäuferin interagiert, im Hintergrund stehen Kinder und beobachten die Gestalt.
Auf dem Marktplatz nimmt alles seinen Anfang, als Jacob der geheimnisvollen Fee begegnet. Die Puppen aus dem Film konnte man 2024 im Stadtmuseeum Pirna sehen. Bildrechte: IMAGO/ Sylvio Dittrich

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"Zwerg Nase"
Regie: Günter Rätz
Jahr: 1985
Länge: 75 Minuten

Western-Abenteuer: "Die Spur führt zum Silbersee" (1985-1989)

Ein aufwendiger Puppentrickfilm, der sich an Karl Mays Abenteuerroman "Der Schatz im Silbersee" orientiert. Mit detailreich gestalteten Puppen und einer kunstvollen Inszenierung erzählt er die Geschichten von Winnetou und Old Shatterhand und lässt ihre Welt mit klassischen Western-Elementen lebendig werden. In der DDR war der Film ein sehr beliebter Trickfilmklassiker und gehört zu den bekanntesten Produktionen des DEFA-Trickfilmstudios.

Farbige Zeichnung: Zwei Reiter, darunter: "Die Spur führt zum Silbersee"
Das Filmplakat zum damaligen Western-Trickfilmhit "Die Spur führt zum Silbersee". Bildrechte: ©DEFA-Stiftung/Hans Eberhard Ernst

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"Die Spur führt zum Silbersee"
Regie: Günter Rätz
Jahr(e): 1985-1989
Länge: 84 Minuten

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 25. März 2025 | 00:00 Uhr

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