Donnerstag, 13.03.2025: Kickoff-Kickout (MK 5,9)
Eine meiner liebsten Geschichten aus der Bibel ist die Erzählung, in der Jesus einen Menschen heilt, der glaubt von einem unreinen Geist fremdbestimmt zu sein. Er fühlt sich kleingehalten. Er ist hoch aggressiv und gewalttätig. Er schreit und hält alle, die versuchen Gemeinschaft mit ihm aufzubauen, auf Abstand. Er hat sinnbildlich eine Mauer um sich und seine Welt errichtet.
Jesus geht geradewegs auf den Menschen und seine Mauer zu. Er überspringt weder den Menschen noch die Mauer. Sondern er nimmt sie ganz bewusst war ... und durchbricht sie. Er nimmt den Menschen ernst und fragt den unreinen Geist: "Wie heißt du?"
Der unreine Geist antwortet: "Mein Name ist Legion, denn wir sind viele." Und er fleht Jesus an, bleiben zu dürfen. Dass Jesus dieser Bitte nicht nachkommen wird, versteht sich von selbst.
Der unreine Geist erlebt sein persönliches Kick-out. Er wird vertrieben werden. In der Geschichte wird er wortwörtlich "zur Sau" gemacht. Es wird erzählt, dass Jesus dem unreinen Geist befiehlt, den Menschen zu verlassen und in eine Schweineherde umzuziehen.
Jesus bezwingt den unreinen Geist nicht durch Medizin oder Zauberei. Vielmehr geht er ihm auf den Grund und fragt nach seinem Namen. "Wer oder was um alles in der Welt bist du denn?"
Jesus sorgt dafür, dass das, was den Menschen von sich selbst und von anderen isoliert eine Bezeichnung bekommt. Kennen Sie den Ausspruch: Gefahr erkannt, Gefahr gebannt?
Genau das geschieht in der Erzählung. Das Gefahrgut - der unreine Geist - bekommt einen Namen und wird greifbar. Mit Dingen, die ich begriffen habe, kann ich umgehen.
Wenn ich zu einem Arzt oder einem Berater gehe, dann haben diese helfenden Professionen eines gemeinsam: Sie brauchen meine Mitarbeit. Ich muss Ihnen beschreiben, was mich schmerzt und was mich kleinhält. Gemeinsam erfolgt die Suche nach dem passenden Namen für das Phänomen. Ist die Diagnose stimmig und der Name gefunden, kann der Heilungsweg gegangen werden.
Diese Erfahrung mache ich auch dort, wo mich Erwartungen, Gefühle und Bedürfnisse kleinhalten wollen. Sobald ich ihnen einen Namen geben kann, erfolgt ziemlich sicher zeitnah, auch ihr persönliches Kick-Out aus meinem Gedankenkarussell.
"Gefahr benannt - Gefahr gebannt", denke ich dann immer und dann wird mein Tag gut.
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