Zwei Holzfiguren, die an Stehpulten stehen
Donald Trump als Nussknacker aus dem Erzgebirge - mit seiner Unterschrift zum Zollpaket lässt er derzeit die gesamte Branche der erzgebirgischen Kunsthandwerker zittern. Bildrechte: MDR

Wirtschaft Sonderzölle: Trump-Nussknacker aus dem Erzgebirge bald deutlich teurer?

26. April 2025, 07:00 Uhr

US-Präsident Donald Trump belastet mit seinen Import-Zöllen und Bestimmungen die Weltwirtschaft. Sein Rundumschlag mit Sonderzöllen trifft nicht nur große Konzerne hart. Auch für kleine Betriebe und Handwerker, zum Beispiel im Erzgebirge, könnten die Zölle gravierende Auswirkungen haben.

Donald Trump an seinem Schreibtisch im Oval Office – als Nussknacker. Den grimmig blickenden Holz-Trump haben sich die Holzspielzeugmacher der Firma Steinbach Volkskunst aus dem Erzgebirge ausgedacht. Und er ist ein Verkaufsschlager, geht in den USA für 379 Dollar (333,50 Euro) über den Ladentisch.

Doch bald könnte der Trump-Nussknacker deutlich teurer werden - wegen der Zoll-Pläne des US-Präsidenten. Problematisch sei das auch für den Hersteller, sagt der Produktionsleiter bei Steinbach Volkskunst in Marienberg, Mike Nestler. Denn mehr als 95 Prozent der gesamten Produktion gehen in die USA. "Bei 20 Prozent mehr, sind wir über 400 Dollar. Wo mancher Kunde sagt, das ist dann schon zu viel. Ob wir Kunden verlieren, das ist dann immer die Frage."

Zwei Holzfiguren, die an Stehpulten stehen
Werksleiter Mike Nestler hat bei den angekündigten Sonderzöllen Sorge, dass die Nussknacker zu teuer für die Kunden in den USA werden könnten. Bildrechte: MDR

Begeisterung vieler US-Bürger für Holzspielzeug

In Seiffen im Erzgebirge werden an jeder Ecke Holzspielwaren verkauft und auch die weltbekannten Schwibbögen. Mehr als 120 kleine und große Hersteller produzieren in der Region. Emily Gödecke macht gerade eine Ausbildung zur Holzspielzeugmacherin. Im vergangenen Jahr hat sie den seltenen Beruf auf einem deutschen Weihnachtsmarkt in Seiffens Partnerstadt Carmel im US-Bundesstaat Indiana vorstellen dürfen. Die Begeisterung der US-Amerikaner, sagt sie, sei überwältigend gewesen.

Emily Gödicke, Holzspielzeugmacher-Azubi im 2. Lehrjahr in Seiffen.
Emily Gödicke hat ihr Können auf dem amerikanischen "Christkindlmarkt" gezeigt. (Archivbild) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

"Viele haben gefragt, was für Holz wir benutzen oder welche Farbe. Das klang so, als ob sie das selber machen wollen würden. Das war schon ziemlich cool. Vor allem auch die Kleinkinder standen immer ganz vorne und haben mit ganz großen Augen geguckt." An Emilys Schule lernen rund 50 ädchen und Jungen den Beruf des Holzspielzeugmachers.

USA-Markt für Kunsthandwerker im Erzgebirge sehr wichtig

Frederic Günther ist selbst Spielwarenmacher und Chef des Verbandes Erzgebirgischer Kunsthandwerker. Er sagt: Der US-Markt sei für alle Hersteller extrem wichtig. Aber er funktioniere nur mit Original-Produkten aus dem Erzgebirge. "Trumps Vorschlag, wie bei der Autoindustrie Werke in die USA zu verlegen, funktioniert bei uns absolut nicht. Wir als Verband zertifizieren ja unsere Betriebe genau auf die geographische Angabe Erzgebirge. Das ist ähnlich wie beim Champagner oder Serrano-Schinken. Also wenn das Produkt nicht aus dem Erzgebirge kommt, dann darf es sich nicht Erzgebirge nennen. Und darauf achten auch die Kunden."

Trumps Vorschlag, wie bei der Autoindustrie Werke in die USA zu verlegen, funktioniert bei uns absolut nicht.

Frederic Günther Chef des Verbandes erzgebirgischer Kunsthandwerker

Wenn die Verkäufe in den USA wegen höherer Preise nicht mehr gut laufen, könnten Hersteller wie Steinbach Volkskunst nur beim Personal sparen. Doch die 35 Beschäftigten wollen sich von der Debatte um Strafzölle nicht verrückt machen lassen: Den gerade verkündeten Aufschub um 90 Tage sehen sie als gutes Zeichen.

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MDR (Dan Hirschfeld, kbe)

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR AKTUELL | 23. April 2025 | 21:45 Uhr

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