
Gefahrenabwehr Sofortmaßnahmen am Störmthaler Kanal sollen vor Überschwemmungen schützen
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26. Februar 2025, 19:31 Uhr
Still ruht die Schleuse am Störmthaler Kanal. Sie ist die einzige Verbindungslinie zwischen dem Markkleeberger See und dem Störmthaler See bei Leipzig. Seit nunmehr vier Jahren ist sie gesperrt - aus Sicherheitsgründen. Eine Sanierung war im Gespräch, doch dafür muss noch eine Machbarkeitsstudie abgewartet werden. Nun gibt es Neuigkeiten - und neue Sicherungsmaßnahmen.
- Böschungsschäden und Rissbildungen: Kanal ist seit vier Jahren gesperrt.
- Neue Sicherungsmaßnahmen sollen Überschwemmungen und in Markkleeberg und Leipzig abwenden.
- Zukunft des Kanals weiter unklar.
Am seit knapp vier Jahren gesperrten Störmthaler Kanal im Leipziger Neuseenland sollen in den kommenden Wochen weitere Sicherungsmaßnahmen beginnen. Das teilte der Sprecher der Geschäftsführung des Bergbausanierers Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LBMV), Bernd Sablotny, mit. Die bislang ergriffenen Maßnahmen reichen demnach nicht aus, um Überschwemmungen in Markkleeberg und Leipzig abzuwenden. Auch eine Brücke über die A38 soll so geschützt werden.
Die Arbeiten werden einer in Kürze erwarteten Anordnung des Sächsischen Oberbergamtes folgen. Ziel sei es, weitere Erosionsprozesse einzudämmen und die Sicherheit des Kanals für die nächsten Jahre zu gewährleisten.
Gutachten bestätigt Probleme
Wegen Böschungsschäden und Rissbildungen ist der Kanal bis heute gesperrt - sehr zum Ärger von Wassertouristen und der Städte Markkleeberg und Großpösna.
Im Herbst 2023 kam letztmalig öffentliche Bewegung in die Angelegenheit: Laut einem Gutachten hatte eine Reihe ungünstiger Faktoren zu den Rissen am Kanal geführt. Ein stärker als erwartet angestiegener Grundwasserspiegel und die Strömungskraft des Grundwassers hatten die Schleuse destabilisiert. Auch Mängel bei der Planung und am Bau wurden damals von den Gutachtern festgestellt. Sablotny bezeichnete die Gründe am Mittwoch als "multikausal".
Langfristige Stabilität aber unklar
"Die Maßnahmen zur Gefahrenabwehr, die 2021 ergriffen worden waren, sind nach wie vor wirksam. Auch das Schleusenbauwerk ist lagestabil", betonte Sablotny weiter. Dennoch sei weiterhin Gefahrenabwehr notwendig, denn: Wenn Wasser über den Kanal durchbricht, könnte die Stadt Markkleeberg und Teile Leipzigs überflutet werden. Außerdem würde die Brücke, über die die A38 führt, "weggerissen", so der LMBV-Sprecher im Gespräch mit MDR SACHSEN.
Neue Maßnahmen erforderlich - kurzzeitige Einschränkungen
Durch entsprechende Bauarbeiten sind vor Jahren bereits Maßnahmen zur Stabilisierung ergriffen worden. Diese haben laut Oberbergamt etwa vier Millionen Euro gekostet. Wie Sablotny weiter berichtete, sind im Dezember 2024 Anpassungen vorgenommen worden: ein Wasserbaustützkörper wurde erweitert und der Wasserspiegel angehoben.
Als nächstes sollen Sperrelemente wie die von den Weihnachtsmärkten bekannten Legobausteine an den Böschungen und im Kanal "als Auflast" platziert werden. Auch Dichtwände - sogenannte Bohrpfahlwände - seien geplant.
Weitere Sicherungsmaßnahmen seien noch in Planung und technischer Abstimmung. Wegen der Bauarbeiten sind kurzzeitige Einschränkungen zu erwarten.
Der Störmthaler Kanal (zum Ausklappen)
Der Störmthaler und der Markkleeberger See sind vor etwa 20 Jahren aus Tagebaulöchern des Braunkohletagebaus Espenhain entstanden und künstlich geflutet worden. Der gut sieben Quadratkilometer große Störmthaler See enthält etwa 158 Millionen Kubikmeter Wasser. Der mit etwa 2,5 Quadratkilometer kleinere Markkleeberger See umfasst rund 65 Millionen Kubikmeter.
Der etwa 850 Meter lange Störmthaler Kanal verbindet die Seen, die betroffene Kanuparkschleuse gleicht die Differenz von vier Metern bei der Wasserspiegelhöhe der Gewässer aus. Sein Bau hat etwa zehn Millionen Euro gekostet.
Die Schleuse ist die Verbindung und gleichzeitig die einzige Barriere zwischen beiden Tagebauseen. Seit März 2021 ist der Kanal gesperrt.
Wie sind regionale Akteuere eingebunden? (zum Ausklappen)
Alle Maßnahmen in Bezug zum Störmthaler Kanal stimmt die LMBV nach eigenen Angaben mit regionalen Akteuren ab. In einer Arbeitsgruppe sind Vertreter des Sächsischen Oberbergamtes, der Landesdirektion Sachsen, des Landkreises Leipzig, des Regionalen Planungsverbandes Westsachsen und der Stadt Leipzig sowie die Bürgermeister von Markkleeberg und Großpösna vertreten.
Was wird nun aus der Sanierung?
Auch eine Sanierung des Kanals war im Gespräch. Vor zwei Jahren wurde dazu eine technische Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Was daraus geworden ist, erläuterten Sablotny und Martin Herrmann vom Sächsischen Oberbergamt. Die Ergebnisse werden Anfang kommenden Jahres erwartet. Erst dann gehe die Sanierungsplanung überhaupt weiter, hieß es.
Die Studie werde klären, ob die Schleuse sanierungsfähig ist, nur ertüchtigt werden oder zurückgebaut werden muss. Genau wie die aktuell notwendigen Sicherungsmaßnahmen ist auch die Machbarkeitsstudie finanziert. Die Finanzierung des Vorhabens darüber hinaus ist noch nicht klar.
MDR (sme)/dpa