
Kriseninterventionsteam vor Ort Vogtland: Vater tötet seine Kinder und dann sich selbst
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26. Februar 2025, 17:08 Uhr
Einen Tag nach dem Fund von drei Leichen in Neumark im Vogtland steht fest: Bei den Toten handelt es sich um einen 55 Jahre alten Mann und seine beiden kleinen Kinder. Ersten Erkenntnissen zufolge hat der Vater erst die beiden Kinder und dann sich selbst getötet. In dem Ort ist das Entsetzen groß. Experten des Kriseninterventionsteams sind im Einsatz. Sie kümmern sich insbesondere um die Angehörigen sowie die Kinder und Erzieher der örtlichen Kita.
- Vater hat nach ersten Erkenntnissen erst die zwei und fünf Jahre alten Kinder und dann sich selbst getötet.
- Die Ermittler geben keine Informationen darüber, wie die Kinder getötet wurden. Fest steht: Es wurden keine Waffen benutzt.
- Landkreis und Gemeinde arbeiten eng zusammen und kümmern sich um die Betreuung der Angehörigen sowie der Kinder und Erzieher der Kita.
Nach dem gewaltsamen Tod zweier Kinder in Neumark im Vogtland hat die Polizei am Mittwoch ihre Identität bestätigt. Es handle sich um die Tochter und den Sohn des 55-jährigen Mannes, der ebenfalls tot aufgefunden wurde. Der Mann soll nach ersten Erkenntnissen erst die beiden kleinen Kinder und dann sich selbst getötet haben. Die drei Leichen würden nun obduziert.
Keine Waffe benutzt
Polizisten hatten die Leichen am Dienstagmorgen nach einem Zeugenhinweis entdeckt. Die toten Kinder wurden demnach in dem Wohnhaus, die Leiche des Vaters auf dem Grundstück gefunden. Zu möglichen Hintergründen der Tat will sich die Polizei mit Rücksicht auf die Angehörigen nicht äußern. Gleiches gilt für Details zur möglichen Todesursache.
Laut Polizei ist nach derzeitigem Ermittlungsstand keine Waffe zum Einsatz gekommen. Die Mutter der Kinder sei nicht vor Ort gewesen und habe vom Tod ihrer Kinder durch die Polizei erfahren, hieß es. In den nächsten Tagen sind weitere Ermittlungsarbeiten am Tatort geplant.
Große Fassungslosigkeit im Ort und beim Landrat
Auch am Mittwoch herrschen in dem kleinen Ort noch großes Entsetzen, Trauer und Wut. Menschen bleiben am Zaun des Grundstücks stehen, auf dem die Tat geschah und legen Blumen, Kerzen und Plüschtiere nieder. "Es zeigt die Fassungslosigkeit, die im ganzen Ort herrscht", berichtet ein MDR SACHSEN-Reporter.
Als Familienvater bin ich geschockt, angesichts einer solchen Tragödie.
Neumarks Bürgermeister Sven Köpp (FDP) sagte dem MDR, auch er finde kaum Worte für die Tat. Er sicherte den Familien und Betroffenen größtmögliche Unterstützung zu. Bereits am Dienstag hatte sich der Landrat des Vogtlandkreises, Thomas Hennig (CDU), betroffen gezeigt: "Als Familienvater bin ich geschockt, angesichts einer solchen Tragödie. Die Polizei wird sicher alles unternehmen, den Fall umfänglich aufzuklären. Meine Gedanken sind derweil bei den Hinterbliebenen und bei den betroffenen Menschen im Neumarker Ortsteil."
Kriseninterventionsteam und Notfallseelsorger im Einsatz
Landkreis und Gemeinde hatten am Dienstag gemeinsame Maßnahmen beschlossen, um Einwohnern und Betroffenen zur Seite zu stehen. Mutter und Großeltern der Kinder werden seit Dienstag von einem Kriseninterventionsteam psychologisch betreut, sagte eine Sprecherin des Rettungszweckverbandes dem MDR.
Am Mittwochnachmittag war zudem ein Team von Notfallseelsorgern in der Kita, die die beiden Kinder besucht hatten. "Hier ging es darum, mit Betreuern, Kindern und anderen Eltern ins Gespräch zu kommen", so der Reporter. Sechs ehrenamtliche Mitarbeiter des Kriseninterventionsteams standen der Kita-Leitung zur Seite. Auch eine Pfarrerin war demnach vor Ort und rief zu Ruhe und Besonnenheit auf. Ab Donnerstag soll die Kirche in Neumark jeweils von 16 bis 17 Uhr geöffnet sein für Menschen, die einen Ort zum Trauern suchen.
Familie hatte Kontakt zum Jugendamt - keine Auffälligkeiten
Die Eltern der Kinder lebten getrennt. Die Wohnung der Mutter liegt dem Reporter zufolge nur einen Steinwurf vom Tatort entfernt. Beide Eltern hatten vor Kurzem gemeinsam Kontakt zum Jugendamt, wie eine Sprecherin des Landratsamtes bestätigte. Es habe dabei keine Hinweise auf Vernachlässigung oder eine etwaige Gefährdung der Kinder gegeben.
Hilfe bei Suizidgedanken, persönlichen Krisen und Depressionen
Sie haben Selbsttötungsgedanken oder eine persönliche Krise?
- Die Telefonseelsorge hilft Ihnen: 0800 1110-111 und 0800 1110-222. Der Anruf ist anonym und taucht nicht im Einzelverbindungsnachweis auf.
- Wenn Sie das Gefühl haben, an einer Depression zu leiden, hilft Ihnen das Info-Telefon Depression unter 0800-3 34 45 33 oder die Stiftung Deutsche Depressionshilfe.
- Weitere kostenfreie Angebote hat die Deutsche Gesellschaft für Suizidprävention aufgelistet - beispielsweise für Jugendliche (116111) und Eltern (0800-1 11 05 50).
- Hinterbliebene nach einem Suizid können Hilfe beim Verein AGUS unter 0921-1 50 03 80 oder auf der Internetseite www.agus-selbsthilfe.de finden.
MDR (kk/jhe/ben)/dpa
Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | MDR SACHSENSPIEGEL | 26. Februar 2025 | 19:00 Uhr