Fünf Jahre nach Schließung des Krankenhauses Mahnwache vor Gesundheitsministerium: Havelberger geben Protest nicht auf
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12. Februar 2025, 10:53 Uhr
Der Protest für eine bessere medizinische Versorgung in Havelberg ebbt nicht ab. Der Verein Pro Krankenhaus wirft dem Land Untätigkeit vor. Nach der Schließung des Krankenhauses vor fünf Jahren sei ein Medizinisches Versorgungszentrum versprochen worden, sagen die Vereinsmitglieder. Sie fordern dies weiter ein.
Es ist kühl an diesem Morgen. Es wird von einem Bein aufs andere getreten. Die Mitglieder des Vereins Pro Krankenhaus Havelberg haben sich vorgenommen, bei Eiseskälte fünf Stunden für eine Mahnwache auszuharren. "Wir geben nicht auf", sagt der Vereinsvorsitzende Holger Schulz. "Wir sterben eher an einer medizinischen Unterversorgung bei uns in Havelberg als am Willen weiter zu demonstrieren." Zehn Mitglieder des Vereins und auch einige Mitstreiter aus Genthin stehen an diesem Dienstagmorgen vor dem Gesundheitsministerium in Magdeburg.
"Wir werden immer wieder hingehalten", sagt Holger Schulz. Durch die Ministerin Petra Grimm-Benne (SPD) und auch die Führung der landeseigenen Krankenhausgesellschaft Salus sei ihnen schon vor Jahren ein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) versprochen worden, sagt er. Der Verein selbst hatte nach eigenen Angaben sechs Ärzte dazu überreden können, in Havelberg praktizieren zu wollen. "Verträge sind nie zustande gekommen", sagt Holger Schulz. Er unterstellt mittlerweile einen mangelnden Willen des Landes.
Ministerin Grimm-Benne lässt sich bei den Demonstrierenden entschuldigen. Terminliche Gründe ließen ein Gespräch nicht zu, hieß es. Etwas besser ergeht es der zweiten Gruppe des Havelberger Krankenhausvereins, die sich zeitgleich zu einer Mahnwache vor der Geschäftsstelle der Salus postiert hat. Neben den Fahnen des Krankenhausvereins, haben die Mitglieder auch ein neues Plakat gefertigt: "Salus kann keinen Arbeitsvertrag, Salus kann keinen Mietvertrag. Salus kann nur hinhalten" steht dort drauf.
Salus-Geschäftsführer stellt sich Protestierenden
Salus-Geschäftsführer Jürgen Richter möchte die Vorwürfe nicht auf sich sitzen lassen. Er diskutiert 45 Minuten lang mit den Havelbergern über die aktuelle Situation. Man habe zuletzt einen Arzt für Chirurgie und Orthopädie gewinnen können, der eine sogenannte Ermächtigungssprechstunde in Havelberg abdecken soll. Angestellt über das benachbarte Krankenhaus Seehausen, solle er wöchentlich für einige Stunde in Havelberg sein. "Das ist mit der Kassenärztlichen Vereinigung alles abgesprochen und genehmigt", sagt Richter den Demonstrierenden.
Allerdings könne der Plan nicht umgesetzt werden, den Arzt in Räumen des ehemaligen Krankenhauses unterzubringen. "Die KMG als Vermieter hat uns Ende Januar mitgeteilt, dass sie die Räume selbst nutzen wollen", so Richter.
Wut auf KMG Kliniken
"Die Salus hat sich wieder einmal von der KMG über den Tisch ziehen lassen", sagt Sandra Braun. Sie gehört zum Verein Pro Krankenhaus Havelberg und hat vor fünf Jahren als Betriebsrätin mit einer aktiven Mittagspause den Protest vor Ort mit angeführt. "Wir haben immer gesagt, dass man denen nicht trauen kann", sagt sie.
Die KMG Kliniken mit Sitz im brandenburgischen Bad Wilsnack hatte das Krankenhaus seinerzeit geschlossen und die Räumlichkeiten für ein neues Seniorenheim eingerichtet. "Nach mehr als vier Jahren Leer- und Stillstand sind wir nun in die konkrete Prüfung und Planung für eine eigene Nutzung der Räumlichkeiten eingestiegen", teilt Unternehmenssprecher Franz Christian Meier auf Anfrage von MDR SACHSEN-ANHALT mit.
Salus sucht Objekt
"Wir werden unser Vorhaben mit einer Abordnung von Ärzten aus Seehausen umsetzen", sagt Salus-Chef Jürgen Richter. Er lege sich aber nicht auf einen konkreten Termin fest. Aber die Suche nach geeigneten Räumen "müsse lösbar sein". Zusammen mit dem Havelberger Bürgermeister Matthias Bölt (parteilos) und dem Landkreis Stendal sei man derzeit auf der Suche nach einem bestimmten Objekt.
Der Landtagsabgeordnete Wulf Gallert (Linke) unterstützt die Protestierenden aus Havelberg von der ersten Stunde an. "Jedes Mal, wenn die Situation so gewesen ist, dass sie eigentlich umgesetzt worden ist, dann taten sich wieder neue Hürden auf", sagt er. Er erkenne nicht den Willen des Landes, an der Situation in Havelberg etwas zu ändern. Dies habe sich insbesondere daran gezeigt, dass willige Ärzte nicht mit einem Vertrag ausgestattet worden seien.
MDR (Bernd-Volker Brahms)
Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 11. Februar 2025 | 19:00 Uhr
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