MEDIEN360G im Gespräch mit... Johanna Hoffmeier

11. April 2019, 16:01 Uhr

Johanna Hoffmeier hat als erfahrene Journalistin schon über viele Themen berichtet, Nachrufe zählten bislang nicht dazu. Mit MEDIEN360G sprach Sie über Ihren ersten vorbereitenen Nachruf, der für Sie weniger ein Trauerstück ist, sondern "eine Art Porträt über einen interessanten Menschen".

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MEDIEN360G: Sie haben vor einiger Zeit Ihren ersten Nachruf verfasst. Wie haben Sie auf die Anfrage reagiert?
Johanna Hoffmeier:
Ich habe schon gedacht: Nachruf, was heißt das eigentlich? Werde ich dem überhaupt gerecht? Weil Nachruf heißt ja, dass ich das Leben und Wirken der Person abbilden muss. Bei mir war es Bernhard Vogel. Das ist ja auch ein Politiker, der große Verdienste hier in Thüringen (erbracht) oder eine ziemlich wichtige Rolle gespielt hat, ewig Ministerpräsident war. Das ist jetzt auch nicht unbedingt meine Zeit gewesen, da war ich ja noch relativ jung.

MEDIEN360G: Warum fiel die Entscheidung auf Sie?
Johanna Hoffmeier:
Mein Redaktionsleiter bzw. CvD (Chef vom Dienst, Anmerk. d. Red.), der mich angefragt hatte, meinte, dass er es ganz spannend findet, wenn es jemand macht, der einen ganz anderen Blick auf die Sache hat. Jemand, der nicht schon so verflochten ist und ihn tausend Mal interviewt hat. Sondern einer, der vielleicht so ein bisschen einen Schritt zurückgeht und sagt, okay, ich informiere mich jetzt aus verschiedenen Quellen und führe ein paar Interviews. Aber nicht jemand, der schon so in das Thema verstrickt ist, der eine Draufsicht hat.

MEDIEN360G: Fiel es Ihnen leicht, einer lebenden Person nachzurufen?
Johanna Hoffmeier:
Am Anfang fand ich es ein bisschen skurril, aber auf der anderen Seite habe ich es halt nicht so richtig als Nachruf gesehen, sondern für mich war es eher wie eine Art Porträt über einen interessanten Menschen. Ich meine, ich habe den Beitrag jetzt vor zwei Jahren gemacht und Gott sei Dank lebt dieser Mensch noch unter uns und hoffentlich auch noch wahnsinnig lange.

MEDIEN360G: Welche Herausforderungen traten auf?
Johanna Hoffmeier:
Die größte Herausforderung ist – zumindest ist das mein Anspruch: Du willst dieser Person irgendwie gerecht werden. Es ist eine Person, die eine große Bedeutung hat, die viel erlebt hat und dann hast du nur einen begrenzten Zeitraum. Das ist echt schwierig, weil du natürlich wie bei jedem Beitrag Material hast, was du auswählst, aber gerade da hat das nochmal eine andere Tragweite. Man versucht natürlich im besten Fall etwas zu machen, was auch ein bisschen berührt, was bleibt.

MEDIEN360G: Würden Sie den Porträtierten persönlich sprechen wollen?
Johanna Hoffmeier:
Ich glaube, er ist einer von den Politikern, die diesen Beruf mit ganzem Herzen, mit Leib und Seele gelebt haben. Ich will das gar nicht bewerten, ihn als Politiker nicht bewerten, aber als Mensch hat er, glaube ich, sein ganzes Privatleben dem Beruf hinten angestellt. Das finde ich ziemlich beeindruckend. Das bietet auf jeden Fall Gesprächspotenzial.