Sonntag | 23.03.2025 Unser Gast im Sonntagsbrunch: Jürgen von der Lippe
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Er muss einen hohen Verbrauch dieser kleinen, bunten Klebezettel haben, mit denen man schnell mal was Wichtiges markiert. Irgendein Buch hat Jürgen von der Lippe immer bei sich.
Ich habe immer Angst, es ist zu wenig, auf der Bühne wie beim Kochen. Wenn ich für vier Leute koche, werden zwölf satt. Und auf die Bühne nehme ich auch nicht nur ein Buch mit.
Was heißt ein Buch? Meistens sind es drei oder mehr. Und aus jedem blinken viele dieser bunten Fähnchen. Viele! Kann ja sein, dass ihn jemand bittet, schnell mal was vorzulesen. Dann ist Jürgen von der Lippe vorbereitet. Schließlich liest er einfach gern, und gern liest er vor.
Ich wollte immer lesen können, schon mit vier.
Millionen Fans wissen das zu schätzen, die seinen Kanal "Lippes Leselust" so erfolgreich machen, wie sich das kein Fernsehmacher vorstellen konnte, als Jürgen von der Lippe als Urgestein und Erfolgsgarant der lustigen Fernsehunterhaltung, noch Shows erfand und moderierte. Lange her.
Ich komme ja aus dieser Folklorekneipenszene. Und ich fühle mich da immer noch zu Hause. Deshalb spielen meine Bücher oft auch in so einer Kneipe.
Auf der Bühne zu Hause
Schon lange ist Jürgen von der Lippe wieder dort, wo er immer am liebsten war: auf der Bühne. In den kleineren Sälen lieber als in den großen, weil er so gern nah dran ist an seinem Publikum, das ihn und seine Pointen liebt und das ihm seine Lebenskraft gibt. Er könnte Arenen füllen. Aber ist lieber zehn Tage hintereinander im kleinen Saal um die Ecke. Und liest vor. Texte voller Hintersinn und Witz. Eine Pointe nach der anderen.
Ich spiele lieber drei Mal hintereinander in ein und demselben Saal als in einem großen. Ich will die intime Atmosphäre. Da gehen die Leute dann auch zufrieden nach Hause.
Schreiben für die Pointe
Ein Lehrer, der das Talent des jungen Hans-Jürgen Dohrenkamp, wie er eigentlich heißt, förderte, hat schon vor inzwischen 60 Jahren gesagt: Du wirst mal Schriftsteller. Recht hatte er. Auch, wenn er vielleicht nicht den Jürgen von der Lippe vor Augen hatte, der die Kürze liebt und für die Bühne schreiben will, statt für Bibliotheken. Schließlich wünscht er sich, dass seine Texte beim Publikum landen und nicht im Bücherregal.
Ich habe eigentlich immer zuerst für die Bühne geschrieben. Nur einen Roman überhaupt. Dabei wird's auch bleiben. Die Leute kommen ja zu mir wegen der Gag-Dichte. Und dafür taugt ein Roman nicht.
Und - man kann's nicht oft genug sagen: Er liest auch einfach sehr gern vor. Mit den vielen bunten Klebezettelchen ist er jederzeit und auf jeden Fall vorbereitet.
Ich habe an allem Freude, was Unterhaltung ist. Ob Kino, Zirkus, Theater, Kirmes. Oder eben Lesen. Macht mir alles Spaß.