Ennio Morricone
Komponist Ennio Morricone Bildrechte: picture alliance / dpa | Jörg Carstensen

Konzert des MDR-Sinfonieorchesters am 15.4. im Gewandhaus Im Fokus: Filmmusiklegende Ennio Morricone

02. April 2025, 18:50 Uhr

Der italienische Komponist Ennio Morricone (1928 - 2020) gilt als Filmmusiklegende und wird für seine Partituren von Cineasten weltweit verehrt. Beim Konzert am 15. April stellt das MDR-Sinfonieorchester im Leipziger Gewandhaus die berühmte und die weniger bekannte Seite des Genies vor, denn Morricone komponierte auch Musik für den Konzertsaal. Filmmusik sei für Regisseure und Publikum geschrieben, meinte Morricone einmal gegenüber dem "Guardian", die "andere" Musik aber brächte seine Gefühle zum Ausdruck. Am Pult widmet sich Filmmusikexperte Frank Strobel der ganzen Bandbreite von Morricones Schaffen.

Ennio Morricone 4 min
Filmmusikkomponist Ennio Morricone Bildrechte: picture alliance / PIXSELL | Davor Visnjic/PIXSELL
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Oscar-Preisträger Ennio Morricone hat sich mit Partituren zu Italo-Western wie "Für eine Handvoll Dollar" (1964), "Zwei glorreiche Halunken" (1966) oder "Spiel mir das Lied vom Tod" (1968) in der Erinnerung der Cineasten weltweit verewigt. Im Laufe der Jahrzehnte komponierte er hunderte von Filmscores, u. a. zu Klassikern wie "Mission" (1986) und "The Hateful Eight" (2016).
Dennoch wollte Morricone sein Schaffen nicht auf seine berühmten Melodien aus Italo-Western reduziert sehen. "Es geht mir schon ein bisschen auf den Wecker", sagt er 2015 der "Stuttgarter Zeitung". Oft denke er, "wieso interessiert es die Leute so wenig, dass ich auch so viel weitere Musik, stilistisch ganz andere und modernere, komponiert habe?" Denn die Palette seines Schaffens weist zahlreiche Werke für den Konzertsaal auf – komponiert für Orchester, Chor und Kammerensembles. Im MDR-Konzert kann man den Komponisten neu kennenlernen, insbesondere als Schöpfer absoluter Musik.

Bekanntes und unbekanntes von Morricone

Im Gewandhaus interpretiert das MDR-Sinfonieorchester zunächst eine "Symphonic Journey" aus dem Film The Mission, natürlich mit dem beliebten Thema "Gabriel's Oboe", mit dem der Missionar im Film Kontakt zur indigenen Bevölkerungsgruppe der Guaraní aufnimmt. Dazu kontrastiert ein Werk für den Konzertsaal: das Concerto per Orchestra von 1957, also aus einer Zeit, in der Morricone zur musikalischen Avantgarde in Rom gehörte (mit großer Nähe zu Komponisten wie Pierre Boulez, Karlheinz Stockhausen, Bruno Maderna und Henri Pousseur).

Im zweiten Konzertteil erklingt eine siebenteilige Suite aus dem Film Novecento (1976), der vom Kampf zwischen italienischem Faschismus und Sozialismus in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts handelt. Und zum Abschluss des Abends steht ebenfalls eine Suite auf dem Programm, diesmal aus dem Drama Canone inverso (Spiegelkanon, Jahr 2000). Der Film erzählt die Liebesgeschichte der jungen Pianistin Sophie Levi und des Geigers Jenö Varga und deren Ermordung im Konzentrationslager. Für den Konzertsaal arrangierte Morricone später eine Suite für Violine und Orchester, die das tragische Filmgeschehen nachzeichnet: mit kantablen, weit ausschwingenden Melodielinien, prägnanten Violinsoli und reizvollen Romantizismen.

Frank Strobel: Filmmusikexperte am Pult

Dirigent Frank Strobel
Dirigent Frank Strobel Bildrechte: Kai Bienert

Dirigent Frank Strobel war schon mehrmals mit Filmmusikprojekten beim MDR-Sinfonieorchester zu Gast, darunter "Star Wars", "Metropolis" und "Disney Classics". Ihm und seinem Team der Europäischen Filmphilharmonie ist es zu verdanken, dass nun auch Morricones Kompositionen zugänglich sind.

Die Konzerteinführung findet 18.45 Uhr im Schumann-Eck des Gewandhauses statt.

Das Konzert wird zeitversetzt 20.03 Uhr auf MDR KLASSIK gesendet. Danach ist es auf www.mdr-klassik.de nachzuhören.