Drei Personen in beiger Kleidung stehen auf einer Bühen im Halbschatten und schauen nach rechts.
Eine ganze Familiengeschichte kommt in Dessau auf die Bühne. Bildrechte: Claudia Heysel

Empfehlungen Highlights im März 2025: Theater in Stendal, Dessau und Magdeburg

13. Februar 2025, 13:10 Uhr

Außergewöhnliches Theater erwartet Sie in Sachsen-Anhalt im März 2025: In Magdeburg erleben Sie eines der besten deutschen Theaterstücke der Saison. In Stendal wird in einem Gerichtssaal Theater gespielt. Und in Dessau kommt Stadtgeschichte auf die Bühne. Entdecken Sie unsere monatlich aktualisierten Theater-Tipps – inklusive Adressen und Terminen, damit Sie kein Highlight verpassen!

Schauspiel in Magdeburg: "Blutbuch" nach Kim de l'Horizon

Jahrelang hat Kim de l’Horizon an dem Roman "Blutbuch" gearbeitet, hat jedes Wort genau bedacht. Dafür wurde das Buch mit dem Deutschen Buchpreis belohnt und das zahlt sich nun auch auf der Bühne des Theaters Magdeburg aus. In "Blutbuch" spricht eine Person, die sich weder als Mann noch als Frau identifiziert, mit der eigenen Großmutter. Hier prallen Welten aufeinander, die sich kaum verstehen können. Das Buch erzählt von der großen Suche nach sich selbst, nach der eigenen Identität. Letztlich verlässt sich die Inszenierung von Jan Friedrich ganz auf diesen Text. Zeitweise stehen sechs Kims auf der Bühne und teilen die Erzählung unter sich auf. Die Stimmen und Stimmungen wechseln immer wieder, Schrift wird auf Fadenvorhänge projiziert, die Bühne erstrahlt in vielen Farben. MDR KULTUR-Kritiker Matthias Schmidt ist fasziniert davon, wie sehr der Abend das Publikum in die Gedankenwelt von Kim de l’Horizon zieht: "Das passiert in einer solchen Intensität nicht so oft." Im Januar wurde bekannt gegeben, dass die Inszenierung zum renommierten Berliner Theatertreffen eingeladen ist als eine der zehn bemerkenswertesten Inszenierungen der Saison.

Weitere Informationen "Blutbuch" nach Kim de l'Horizon

Adresse:
Kammer 1
Otto-von-Guericke-Straße 64
39104 Magdeburg

Dauer: 125 Minuten, keine Pause

Termine:
1. März, 19:30 Uhr

Kultur

Spielszene mit Anton Andreew, Michael Ruchter, Carmen Steinert, Iris Albrecht in "Blutbuch" am Theater Magdeburg
Bildrechte: Theater Magdeburg / Foto: Kerstin Schomburg

Schauspiel in Stendal: "Rishi" im Amtsgericht

Hier wird der authentische Ort zur Kulisse: Das Theater der Altmark spielt das Stück "Rishi" in den Verhandlungssälen des Amtsgerichts. Das passt, weil das Stück des niederländischen Autors Kees Roorda eine Gerichtsverhandlung zeigt, die auf einem realen Fall basiert. 2012 wurde der Junge Rishi Ch. an einem Flughafen von einem Polizisten erschossen. Vor Gericht sagt der Polizist dann aus, dass es Notwehr war, weil Rishi angeblich selbst eine Waffe bei sich gehabt haben soll. Tatsächlich wird der Schütze freigesprochen, doch für den Dramatiker Roorda beginnt die Geschichte damit erst und er lässt 25 Zeuginnen und Zeugen auftreten, wie Bekannte oder den Schützen. In Stendal werden alle Figuren von einem nur dreiköpfigen Ensemble gespielt, das auf bemerkenswerte Weise die Rollen wechselt, wie der Kritiker Thomas Pfundtner beobachtet. "Verbunden mit der nüchternen Atmosphäre eines Gerichtssaals und grellem, kaltem Licht wird das Publikum zwischen Mitleid, Vorverurteilung, Grusel, Verständnis und Missbilligung hin- und hergerissen", so der Theaterkenner. Trotz des Ortes geht es jedoch nicht darum, am Ende ein Urteil zu fällen, sondern das Urteil und das Recht infrage zu stellen.

Weitere Informationen "Rishi" von Kees Roorda

Adresse:
Amtsgericht
Am Dom 19
39576 Stendal

Dauer: 80 Minuten, keine Pause

Termine:
14. März, 19:30 Uhr
27. März, 19:30 Uhr

Schauspiel in Magdeburg: "Und sie träumten von der Sonne"

Der Jubel ist groß, Top-Meldung in allen Nachrichten und über Wochen Stadtgespräch: Die Ansiedlung einer großen neuen Fabrik in einer als abgehängt geltenden Region soll den Aufschwung bringen mit neuen Jobs und frischem Geld. Die neue Fabrik wird gleichsam zur Sonne für die Bevölkerung, als lebensspendend verehrt und alles beginnt sich um sie zu drehen. Sie besitzt aber auch die gleichen Schattenseiten, denn da der Betrieb auch viel Wasser braucht, kommt es zur Dürre. Das Stück "Und sie träumten von der Sonne" erinnert immer wieder auch an die gescheiterte Ansiedlung von Intel bei Magdeburg oder an die Giga-Factory von Tesla in Brandenburg – sicherlich waren diese Geschichten Anregung für die Stückentwicklung der Magdeburger Laiengruppe Bühnenfrei. "Auch dank der immensen Spiellaune des ehrenamtlichen Ensembles bleibt dieser Theaterabend lange in Erinnerung", urteilt Kritiker Konstantin Kraft in der "Magdeburger Volksstimme" über das Stück. Darin stehen absurde Szenen, in denen beispielsweise pantomimisch eine Brandmauer errichtet wird, neben sehr realistisch anmutenden Szenen, in denen im Stadtrat vor Umweltfolgen gewarnt wird und gleichzeitig für die Aussicht auf wirtschaftlichen Nutzen der neuen Fabrik alles zugesprochen wird. So wird "Und sie träumten von der Sonne" zu einer vielseitigen Auseinandersetzung mit einem aktuellen Problem.

Aur einer blau erleuchteten Bühne spielen Menschen vor einer Art Wartehäuschen mit Regenschirmen.
Immer wieder überrauscht die Stückentwicklung aus Magdeburg mit absurden Szenen. Bildrechte: Gia Huy Dinh

Weitere Informationen "Und sie träumten von der Sonne"

Adresse:
Familien- und Jugendzentrum
Rennebogen 167
39130 Magdeburg

Dauer: 135 Minuten, eine Pause

Termine:
1. März, 18:30 Uhr
2. März, 18:30 Uhr

Tanztheater in Magdeburg: "Carmen" als Ballett

Fast 1.000 Fälle von schwerer Gewalt gegen Frauen wurden 2024 in Deutschland angezeigt. Fast jeden Tag ist eine Frau getötet worden, einfach weil sie eine Frau war. Es ist kein leichtes Thema, das sich der Magdeburger Ballettchef Jörg Mannes vorgenommen hat. Er erzählt die Geschichte von Carmen nach der bekannten Oper von Georges Bizet (die erst in der nächsten Spielzeit wieder in Magdeburg gespielt wird), als eine Art Einzelfall, als ein Beispiel eines größeren Problems. Don José ist fasziniert von Carmen und verlässt für sie sogar seine Verlobte. Doch Don José verrennt sich in seiner Begierde und wird eifersüchtig, wenn Carmen mit dem Stierkämpfer Escamillo flirtet. Am Ende dieser Geschichte steht Don José über der toten Carmen. Choreograf Jörg Mannes findet für diese Geschichte eindeutige und starke Bilder, wie der Kritiker Torben Ibs bei "tanznetz" berichtet. Getragen wird der Abend jedoch von den beiden Hauptrollen: Chiara Amato und Marco Marangio zeigen das Machtgefälle in kleinen Gesten und gekonnt gescheiterten Duetten. Kombiniert wird das Tanzstück in Magdeburg mit der Arbeit "Morgenröte eines Stiers" von Jeroen Verbruggen über Zweifel und Misserfolge von Künstlern wie Georges Bizet.

Eine Person hängt auf einer Bühne zwischen einer Vielzahl an roten Fäden, die von der Deck hängen.
Jörg Mannes findet in Magdeburg starke Bilder für ein komplexes Thema. Bildrechte: Ida Zenna

Weitere Informationen "Carmen/Morgenröte eines Stiers"
Ballette von Jörg Mannes und Jeroen Verbruggen

Adresse:
Opernhaus
Universitätsplatz 9
39104 Magdeburg

Dauer: 130 Minuten, eine Pause

Termine:
8. März, 19:30 Uhr
16. März, 18 Uhr
28. März, 19:30 Uhr

Schauspiel in Dessau: "Was bleibt" im Alten Theater

Entgegen aller Wahrscheinlichkeiten, trotz eines frühen Todes und der Nazi-Herrschaft, ist die Familie Cohn noch nicht vergessen. In Dessau wird vor allem Julie von Cohn-Oppenheim immer noch als eine wichtige Wohltäterin geehrt. Wenngleich ihre jüdische Identität dabei nicht immer deutlich wird. Genau diesem Widerspruch geht Carolin Millner in ihrem dokumentarischen Stück "Was bleibt" nach, für das die Theatermacherin ausführlich zur Dessauer Stadtgeschichte und zur Bankiersfamilie Cohn recherchiert hat. Auf der Bühne des Alten Theaters stehen mehrere kleine Podeste, die den Grundriss der Villa von Cohn-Oppenheim andeuten. Das vierköpfige Ensemble trägt leichte beige Kleider. Immer wieder wechseln sie die Rollen, um so zahlreiche Anekdoten aus der Familiengeschichte anzudeuten, in verdichteter und poetischer Sprache. Darin geht es auch um die Probleme für jüdische Menschen der damaligen Zeit, die sich einerseits von ihrer Gemeinde wegen ihres Erfolgs entfremden und gleichzeitig trotz ihres Erfolgs von der breiten Stadtbevölkerung nicht anerkannt werden. Es sei ein "intensiver Abend", meint MDR KULTUR-Theaterkritiker Wolfgang Schilling nach einem Theaterbesuch. Nicht zuletzt, weil es in der Inszenierung auch um den wiedererstarkenden Antisemitismus der Gegenwart geht. 

Weitere Informationen "Was bleibt. Das Leben der Familie Cohn"
Schauspiel von Carolin Millner nach biografischen Motiven von Julie von Cohn-Oppenheim

Adresse:
Altes Theater
Lily-Herking-Platz 1
06844 Dessau-Roßlau

Dauer: 90 Minuten, keine Pause

Termine:
4. März, 15 Uhr
21. März, 19 Uhr
23. März, 19:30 Uhr

Musiktheater in Magdeburg: "Romeo und Julia" im Opernhaus

Vielleicht vermag die Liebe doch nicht alles: Obwohl Romeo und Julia so verliebt ineinander sind, können ihre Familien, die Capuleti und die Montecchi, ihren gegenseitigen Hass nicht überwinden und zusammenkommen. Wie das die Beziehung zu einem tragischen Ende treibt, weiß vermutlich jeder. Die Oper "I Capuleti e i Montecchi" von Vincenzo Bellini erzählt von den letzten 24 Stunden des Liebespaares. Auf der Magdeburger Bühne sehen die beiden Liebenden sich zum Verwechseln ähnlich, mit den lockigen Haaren und den mit comic-artigen Rosen bedruckten Shirts. Ihnen entgegenstehen Männergruppen in komplett roten oder blauen Cowboy-Outfits. Die Regisseurin Pinar Karabulut will in ihrer Inszenierung Geschlechterrollen und Machtverhältnisse beleuchten, dabei kommt aber auch die berühmte Geschichte und vor allem das, was Bellini so berühmt machte, nicht zu kurz: der wunderbar melodiöse Gesang. "Rosha Fitzhowle und Weronika Rabek als Giulietta und Romeo übertrafen einander immer wieder mit ihren lang, endlos lang ausgesponnenen Melodieströmen. Wohllaut pur, am allerhimmlischsten in den ausgiebigen Duetten zu genießen", schreibt die Kritikerin Irene Konstantin in der "Magdeburger Volksstimme".

Vor einer Gruppe von Menschen in roten Cowboy-Outfits stein ein Mann in Blau, der zwei Personen auseinanderhält.
Die Geschichte von "Romeo und Julia" erzählt auch von Macht und Geschlechterkampf. Bildrechte: Andreas Lander

Weitere Informationen "I Capuleti e i Montecchi" von Vincenzo Bellini

Adresse:
Opernhaus
Universitätsplatz 9
39104 Magdeburg

Dauer: 170 Minuten, eine Pause

Termine:
9. März, 18 Uhr

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | artour | 23. Januar 2025 | 21:15 Uhr

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